Das Interhyp-Prinzip

Wärme und Behaglichkeit oder Von Zahlen erschlagen, Teil 2

By , 27. Mai 2012 09:23

Im ersten Teil der Betrachtung eines Heizungssystems ging es zunächst um die auf dem Markt befindlichen Systeme und deren prinzipiellen Eigenschaften bzw. der prinzipiellen Tauglichkeit für unser Bauvorhaben.

In diesem Teil möchte ich hingegen mal einen genaueren Blick auf die Zahlen hinter den Heizungssystemen werfen und prüfen, was sie so können. Interessant wäre natürlich eine Hochrechnung auf den späteren Verbrauch und ob das dann auch in der Realität eintrifft.

Einleitung

Bei einem Heizungssystem ist zunächst festzuhalten, dass „Wärme“ als solche kennt keine subjektiven Unterschiede kennt. Entweder es ist ausreichend warm oder eben nicht. Wärme fühlt sich nicht dadurch angenehmer oder unangenehmer an, ob sie von einem Ölfeuer oder einer Wärmepumpe kommt.
Von Bedeutung ist höchstens der Unterschied zwischen Konvektionswärme und Strahlungswärme. Strahlungswärme wird häufig als „angenehmer“ empfunden, weil der zwangsweise vorhandene Lufzug einer Konvektionswärme fehlt und Strahlungswärme unittelbar wahrgenommen wird. Insbesondere wirkt ein Raum mit warmer Luft aber kalten Wänden mitunter noch unagenehm kalt. Dieses Thema wird aber durchaus kontrovers diskutiert.
Für uns ist es letzten Endes ohne Bedeutung, da wir ausschließlich auf Fußbodenheizung setzen werden. Eine Konvektionsheizung, z.B. mit Radiatoren ist durch die benötigte höhere Vorlauftemperatur für eine Wärmepumpe sehr ineffizient und damit außen vor.

Langer Rede, kurzer Sinn: bei einer Heizung setze ich einfach voraus, dass sie auch tatsächlich warm macht.
Letzten Endes sind also die Kosten für diese Wärme entscheidend bei der Anschaffung einer Heizung. Was diese Zahlen angeht, gibt es mehrere wichtige Werte: Anschaffungspreis, Unterhaltkosten sowie laufende Kosten.
Anschaffungspreis und Unterhaltskosten lassen sich natürlich nicht direkt vergleichen, da es nunmal unterschiedliche Bezugszeiträume sind. Deshalb ist es angeraten, einen „Total Cost of Ownership“-Vergleich vorzunehmen. Basis dafür ist die Frage: „Was kostet mich meine Heizung im Laufe von 20 Jahren?“.
Folgende Werte müssen dafür berücksichtigt werden:

  • Anschaffungspreis
  • Laufende Verbrauchskosten (Strom, Öl, Gas etc)
  • Unterhaltskosten (z.B. Wartung und Reparatur)
  • Im optimalen Fall: erwartete Preissteigerungen, z.B. gängige Inflationsraten für Dienstleistungen oder höhere Werte für fossile Rohstoffe

Als Quelle für solche Zahlen dient die geradezu exquisite Seite heizungsvergleich.de von einem Dipl. Ing. Zimmermann, die nahezu alle verfügbaren Heizungstypen im Vergleich auflistet. Ich werde hier nur einzelne Werte zitieren.

TCO-Betrachtung

Zum Zwecke der Vergleichbarkeit dient ein fiktives Beispiel herhalten, da die  berechneten Werte für unser Haus noch nicht fertig sind.
Angenommen wird ein Einfamilienhaus mit einem Jahresenergiebedarf von 12.000 kWh/a, was ungefähr einem 150qm-Haus entspricht.

Nimmt man nun die einzelnen Heizungen der Vergleichsliste und sortiert diese nach den Gesamtkosten, kommt folgende Top 20 dabei heraus (in Klammern jeweils die Gesamtkosten ohne Berücksichtigung von Krediten, Stand Januar 2012):

  1. Wasserstoff-Brennstoffzelle (23.800 €)
  2. www-Heizung (40.700 €)
  3. Sole-Wärmepumpe mit Erdkollektor (40.890 €)
  4. Sole-WP zusätzlich mit Sonnenkollektor (43.340 €)
  5. Sole-Wärmepumpe mit Tiefenbohrung (48.040 €)
  6. Passivhausheizung (48.810 €)
  7. Luft-Wärmepumpe mit Holzofen (49.570 €)
  8. Luft-Wärmepumpe monoenergetisch (49.610 €)
  9. Lüftungswärmepumpe (Heizung, Warmwasser und Lüftung) (50.560 €)
  10. Stückholzheizung (52.060 €)
  11. Stückholzheizung + 12 m2 – Kollektor (52.610 €)
  12. Pellets-Zimmerofen + 12 m2 – Kollektor (53.500 €)
  13. Sole-WP mit Eisspeicher (55.630 €)
  14. Fernwärme: Weiterbetrieb (59.930 €)
  15. Pelletsheizung + 12 m2 – Kollektor (60.020 €)
  16. Pelletsheizung (61.280 €)
  17. Elektroheizung (61.470 €)
  18. Luft-Wärmepumpe mit Pellets-Zimmerofen (62.080 €)
  19. Fernwärme: Installation (68.970 €)
  20. Gasbrennwertheizung + 12 m2 – Kollektor (69.170 €)

Die Kreditkosten betrachte ich nicht, weil sie einfach zu stark variieren.

Ein- und Abgrenzung

Die ersten beiden Systeme fallen raus, weil sie noch nicht auf dem Markt sind. Alles, was teurer ist als unser Favorit, die Sole-WP mit Eisspeicher fällt ebenfalls raus. Die Passivhausheizung spielt ebenfalls keine Rolle, da wir keines haben.
Weiterhin streiche ich Systeme, die auf die Verbrennung von zuzukaufenden Rohstoffen setzen, da hier über kurz oder lange jeweils mit hohen Teuerungsraten zu rechnen ist. Dabei spielen weniger die Kosten eine Rolle, denn diese sind bereits einkalkuliert sondern mehr strategische Gründe. Ich möchte einfach abgekoppelt von der Preisspirale sein, dann ärgert man sich weniger und fühlt sich weniger ausgeliefert.
Damit bleiben die folgenden Systeme:

  1. Sole-Wärmepumpe mit Erdkollektor (40.890 €)
  2. Sole-WP zusätzlich mit Sonnenkollektor (43.340 €)
  3. Sole-Wärmepumpe mit Tiefenbohrung (48.040 €)
  4. Luft-Wärmepumpe mit Holzofen (49.570 €)
  5. Luft-Wärmepumpe monoenergetisch (49.610 €)
  6. Lüftungswärmepumpe (Heizung, Warmwasser und Lüftung) (50.560 €)
  7. Sole-WP mit Eisspeicher (55.630 €)

Die Liste umfasst mittlerweile nur noch Wärmepumpen!
Warum ist jetzt aber die Eisspeicherheizung so viel teurer als die Sole-Wärmepumpe mit Erdkollektoren?
Hier hilft ein Blick auf die Detaildaten der Sole-WP mit Erdkollektoren („Erd-WP“), der Sole-WP mit Sonnenkollektoren („Sonnen-WP“) und der Sole-WP mit Eisspeicher („Eis-WP“).

Die Erd-WP hat den Vorteil, keine Sonnenkollektoren zu benötigen, das macht schon mal ca. 5.000 – 6.000 € Preisvorsprung aus. Die Eis-WP ist bei einigen Komponenten teurer als die Sonnen-WP und somit insgesamt 10.000 € als die Erd-WP.
Bei einem Beratungsgespräch von uns sah das allerdings etwas anders aus, hier kam die Eis-WP auf ungefähr die gleichen Investitionskosten wie die Erd-WP. Mit ein Grund war dafür eine spezielle Förderung für WP, die bei einer Eis-WP verfügbar sein soll.

Bei den Betriebskosten hingegen liegt die Sonnen-WP mit 596€/a vor der Erd-WP mit 721€/a und der Eis-WP mit 871€/a. Die Berechnung halte ich persönlich für pessimistisch. Insbesondere werden bei der Eis-WP die Vorteile der Sonnenkollektoren nicht eingerechnet, die bei der Sonnen-WP für sehr gute Werte sorgen.
Der Vorteil der Sonnen-WP ist begründet durch den niedrigeren Strom-Verbrauch als Ergebnis der Sonnenkollektoren. Der Nachteil der Eis-WP liegt in 150€ höheren Wartungskosten gegenüber der Erd-WP.

Die Seite klima-innovativ.de kommt zu ganz ähnlichen Zahlen, im Detail zwar leicht anders aber im Verhältnis identisch.

Fazit

Mein Fazit: eine Wärmepumpe wird es auf jeden Fall für uns. Ob es tatsächlich eine Sole-Wärmepumpe mit Eisspeicher wird, hängt dann von den konkreten Angeboten des/der Heizungsbauer ab und wie hoch eine eventuelle Förderung ist. Dazu folgt noch ein Bericht, sobald wir diese Angebote haben (hoffentlich in spätestens 2 Monaten).
Bei den Betriebskosten hingegen bin ich ganz optimistisch, dass die Eisspeicherheizung der konventionellen Erd-Wärmepumpe mindestens ebenbürtig ist.

3 Responses to “Wärme und Behaglichkeit oder Von Zahlen erschlagen, Teil 2”

  1. Doris sagt:

    Ich kann hier halb zustimmen, halb muss ich allerdings auch ein wenig einwenden, besonders was die Einleitung anbelangt, also warum Strahlungs- bzw. Konvektionswärme sich anders anfühlen. Es ist nicht nur der Luftzug und die kalten Wände imo, sondern vor allem auch wie es eben wärmt. Wenn man eine Konvektionsheizung hat, dann wirds eben langsam etwas wärmer, weil die Luft wärmer wird, aber wenn man neben einer Strahlungsheizung sitzt, dann ist das wie wenn man direkt neben nem Feuer steht, einem ist einfach gleich direkt warm, ob da jetzt ein Luftzug weht oder nicht, die Übertragung ist einfach anders. Ich weiß nicht, was es noch für Strahlungsheizungen gibt, ich persönlich kenn nur Infrarotheizungen (wir haben die da), aber das ist imo der größte Vorteil. Dass meine keine Luftzüge hat ist natürlich zustätzlich toll, aber das würd mich persönlich jetzt nicht stören. Ich hatte auch bei der alten Heizung nicht das Gefühl, dass es zieht, aber wenn man da im Winter abends heim kam, wars immer mal ne Stunde recht frisch und mit der IR jetzt ist es nach 10 min super angenehm (haben dir jetzt eine Wintersaison lang). Billiger is bei uns übrigens auch als früher Gas, also da stimmt eure Rechnung auch nur bedingt 😉

  2. […] mehreren Geschichten hatte ich ja schon beschrieben, welche Heizung wir bekommen (z.B. hier und hier ging es um die grundlegenden Systeme. Hier und hier verabschiedete sich dann die […]

  3. […] Vorfeld haben wir uns ja mehr als genug den Kopf darüber zerbrochen, was wir an Heizung haben wollen. Im Endeffekt haben wir uns […]

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