Das Interhyp-Prinzip

KfW-Förderung (Aktualisiert)

By , 3. August 2012 19:49

Die KfW-Förderung scheint ja eine feine Sache zu sein, wenn man sich mal oberflächlich mit dem Thema beschäftigt. Für den geradezu trivialen Fall eines einfachen Neubaus mag das alles auch sehr einfach sein. Aber was machen wir in unserem Fall? Lassen sich für Untergeschoßsanierung und Neubau verschiedene Programme kombinieren? Wenn ja welche?
In diesem Artikel erfolgt deshalb eine grundsätzliche Betrachtung der zur Auswahl stehenden Programme, deren Kombinierbarkeit und Sinnhaftigkeit.

Wichtig: dieser Artikel ist streng subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Noch weniger ist er als Beratung in irgendeiner Art gedacht sondern soll lediglich zur Information dienen und maximal einen groben Überblick liefern.

Zunächst einmal lohnt ein Blick auf die Homepage der KfW selber. Hier finden sich alle wichtigen Informationen (u.a. dass diese Institution jetzt „KfW Bankengruppe“ heißt und nicht mehr „Kreditanstalt für Wiederaufbau“). Die für uns interessanten Förderprogramme finden sich in der Programmübersicht, mit der man auch bequem suchen kann.
Hier kann man sich dann raussuchen, was prinzipiell in Frage kommt.

Wichtig ist übrigens die Unterscheidung, ob man einen Zuschuss erhält oder einen zinsgünstigen Kredit! Weiterhin muss man prüfen, ob einzelne Programme vielleicht kombinierbar sind.

Hier unsere Liste interessanter Programme (die jeweiligen Details stammen von der Homepage der KfW, Stand 31.07.2012):

Nr. 124, „KfW-Wohneigentumsprogramm“

Zusammenfassung:

  • „[…] fördert den Kauf bzw. den Bau Ihres Hauses oder Ihrer Eigentumswohnung mit einem langfristigen zinsgünstigen Darlehen.“
  • Finanzierung von bis zu 100 % der Gesamtkosten, maximal 50.000 Euro
  • Zinssatz ab 1,97 % effektiv pro Jahr
  • Zinsen nur auf den abgerufenen Kreditbetrag, Doppelbelastung aus Mietzahlung und Kredittilgung entfällt
  • 5 oder 10 Jahre Zinsbindung

Link: http://www.kfw.de/124

Nr. 151, „Energieeffizient Sanieren – KfW-Effizienzhaus“

Zusammenfassung:

  • „Für die Komplettsanierung zum KfW-Effizienzhaus“
  • Ab 1,00% effektiver Jahreszins
  • Bis 75.000 Euro Darlehenssumme pro Wohneinheit
  • Bis zu 9.375 Euro Tilgungszuschuss pro Wohneinheit
  • Für alle, die Wohnraum sanieren und einen KfW-Effizienzhaus-Standard erreichen
  • Flexibel kombinierbar mit anderen Fördermitteln

Besonderheiten:

  • Begleitung durch einen Energieberater ist zwingend erforderlich
  • Tilgungszuschuss bis einschließlich „Kfw-Effizienzhaus 115“ und „KfW-Effizienzhaus Denkmal“
    Zuschuss für „KfW-Effizienzhaus 55“: 12,5%, Zuschuss für „KfW-Effizienzhaus 70“: 10%

Link: http://www.kfw.de/151

Nr. 152, „Energieeffizient Sanieren – Einzelmaßnahmen“

Zusammenfassung:

  • „Für Teilsanierungen nach dem Baukasten-Prinzip“
  • Ab 1,00% effektiver Jahreszins
  • Bis 50.000 Euro Darlehenssumme pro Wohneinheit
  • Für alle, die Wohnraum mit einzelnen Maßnahmen energetisch sanieren wollen
  • Flexibel kombinierbar mit anderen Fördermitteln

Besonderheiten:

  • Begleitung durch einen Energieberater ist zwingend erforderlich
  • Je nach erreichtem Effizienzhausstandard ist Programm Nr. 151 günstiger, weil es dort auch einen Tilgungszuschuss gibt

Link: http://www.kfw.de/152

Nr. 153, „Energieeffizient Bauen“

Zusammenfassung:

  • Ab 1,21% effektiver Jahreszins
  • Bis 50.000 Euro Darlehenssumme pro Wohneinheit
  • Bis zu 5.000 Euro Tilgungszuschuss pro Wohneinheit
  • Für alle, die ein neues KfW-Effizienzhaus 70, 55, 40 oder ein vergleichbares Passivhaus bauen bzw. kaufen.
  • Flexibel kombinierbar mit anderen Fördermitteln
  • Der Tilgungszuschuss gilt nur bis zur Stufe „KfW-Effizienzhaus 55“.

Link: http://www.kfw.de/153

Nr. 270, 274, „Erneuerbare Energien – Standard“

Zusammenfassung:

  • Bis zu 25.000.000 Euro pro Vorhaben
  • Ab 1,46% effektiver Jahreszins (individueller Zinssatz je nach Sicherheiten- und Risikobeurteilung)
  • Für alle, die die Kraft der Sonne zur eigenen Stromerzeugung nutzen wollen
  • Flexibel kombinierbar mit anderen Fördermitteln

Besonderheiten:

  • Bei Inanspruchnahme dieses Programms ist kein Einsatz von Eigenmitteln notwendig

Link: http://www.kfw.de/274

Nr. 430, „Energieeffizient Sanieren – Investitionszuschuss“

Zusammenfassung:

  • Bis 15.000 Euro pro Wohneinheit Zuschuss für energetische Sanierung
  • Gefördert werden Komplettsanierungen zum KfW-Effizienzhaus und Einzelmaßnahmen
  • Flexibel kombinierbar mit anderen Fördermitteln

Besonderheiten:

  • Begleitung durch einen Energieberater ist zwingend erforderlich
  • Tilgungszuschuss bis einschließlich „Kfw-Effizienzhaus 115“ und „KfW-Effizienzhaus Denkmal“
    Zuschuss für „KfW-Effizienzhaus 55“: 20% der förderfähigen Kosten, max. 15.000€ pro Wohneinheit
    Zuschuss für „KfW-Effizienzhaus 70“: 17,5% der förderfähigen Kosten, max. 13.125€ pro Wohneinheit
    Zuschuss für Einzelmaßnahme: 7,5% der förderfähigen Kosten, max. 3.750€ pro Wohneinheit

Link: http://www.kfw.de/430

Nr. 431, „Energieeffizient Sanieren – Baubegleitung“

Zusammenfassung

  • „Für Planung und Baubegleitung durch Sachverständige“
  • Übernahme von 50% der Kosten bis maximal 4.000 Euro pro Antragsteller/Vorhaben
  • Für energetische Fachplanung und Baubegleitung durch Sachverständige
  • Für alle, die Wohnraum energetisch sanieren und qualifizierte Sachverständige einbeziehen
  • Flexibel kombinierbar mit anderen Fördermitteln

Besonderheiten:

  • Eine Kombination mit anderen Programmen ist nicht nur möglich sondern sogar zwingende Voraussetzung: „Voraussetzung für die Inanspruchnahme des Zuschusses ist die Kombination mit dem Programm Energieeffizient Sanieren Kredit (151, 152) oder Zuschuss (430).“

Link: http://www.kfw.de/431

Zinsberechnung

Der genaue Zinssatz, zu dem man eine Förderung erhält, hängt von zwei Faktoren ab, der Bonität und der Besicherung. Beide Werte werden durch die Hausbank ermittelt bzw. berechnet.
Bei der Bonität gibt es sieben Stufen, die die 1-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit angibt. Stufe 1 liegt bei < 0,1% während Stufe 7 ab 5,5% und bis maximal 10% liegt.
Die werthaltige Besicherung gibt es wiederum in drei Stufen von >=70% bis zu <= 40%.
Aus beiden Faktoren errechnet dann die KfW die persönliche Stufe (Buchstaben A bis I), bei der KfW „Preisklassenberechnung“ genannt. Zum Glück kann man mit dem Rechner vorab eigene Szenarien durchrechnen.

In der Konditionsübersicht für Endkreditnehmer kann man dann wiederum für ausgewählte Programme einsehen, wie hoch der Zinssatz ist. Die hier vorgestellten Programme 151, 152 und 153 erfahren interessanterweise keine Unterscheidung und liegen über alle Stufen hinweg bei 1,0% (KfW151 und KfW 152) bzw. 1,5%-1,8% (KfW 153, Unterschiede durch verschiedene Laufzeiten).
Lediglich bei KfW 274 gibt es Unterschiede in den Zinssätzen, die durch Unterschiede in den Stufen begründet sind. Diese reichen von 1,45% bis 6,60%, je nach Laufzeit und Stufe.

Detailinformationen

Wem noch nicht reicht, was man auf der Homepage so alles lesen und erfahren kann, hat abschließend noch zwei weitere Informationsquellen: eine telefonische Auskunft der KfW unter 0800 539 9002 oder schriftliche Auskünfte unter infocenter@kfw.de. Letztere erteilen wohl auch bei Einzelfallanfragen Auskünfte und prüfen diese.

Kombinationen

Die KfW-Programme zum Thema „Neubau“ und „Sanieren“ können innerhalb eines Hauses kombiniert werden. Aber nur dann, wenn es sich um getrennte Wohneinheiten handelt. Die KfW definiert diese in ihrem Glossar wie folgt:

„Als Wohneinheit gilt eine abgeschlossene Wohnung (eigener Zugang, Kochgelegenheit, fließend Wasser und Toilette), die zur dauerhaften Wohnnutzung geeignet und dazu bestimmt ist.

Einliegerwohnungen zählen als separate Wohneinheiten, wenn sie abgeschlossen sind.“

Bei unserem Vorhaben ist klar, dass keine separate Wohneinheit entstehen wird. Dieser Weg ist zumindest für uns also verschlossen.

Fazit / Wichtige Erkenntnisse

  • Die Entscheidung, ob man ein „Sanieren“- oder ein „Bauen“-Programm beantragt, hängt davon ab, was im Bauantrag tatsächlich beantragt wird. Bei uns ist eine Gesamtsanierung nicht darstellbar, es wird nun mal ein neues Haus gebaut.
  • KfW 124 ist wegen des vergleichsweise hohen Zinssatzes eher unattraktiv. Es dient höchstens als Beimischung. Dafür kann es mit anderen Programmen kombiniert werden.
  • KfW 151 und KfW 430 sind „Zwillinge“: beide zielen auf dasselbe Vorhaben. KfW 152 als Kredit, KfW 430 hingegen als Zuschuss
  • KfW 151 ist besser als KfW 152, weil es bei KfW 151 noch einen Tilgungszuschuss geben kann.
  • KfW 151, KfW 152 und KfW 153 sind innerhalb einer Wohneinheit nicht miteinander kombinierbar.
  • KfW 153 hat gegenüber KfW 151 und KfW 152 die unattraktiveren Zinsen
  • KfW 274 und KfW 431 können auf jeden Fall neben einem „Hauptprogramm“ beantragt werden
  • Die Beantragung erfolgt für die Darlehensgebende Bank. Diese und nicht etwa die KfW muss auch prüfen, ob die Bedingungen für die Programme gegeben sind, d.h. man muss dort nachfragen, was exakt zu belegen ist.

Bedeutet für uns: wir können maximal KfW 124 und KfW 153 kombinieren, was letzten Endes besser als nichts ist. Sollten wir für weniger als 5.000 € zu einem KfW 55-Haus kommen, würde sich das rentieren, da es dann noch einen Zuschuss geben könnte. Vielleicht aber auch nur vielleicht kommt dann noch die 274 hinzu. (Bin ich eigentlich der einzige, der sich wie beim Chinesen vorkommt? „Einmal die 124 mit der 153. Und als Nachtisch die 274“. :-D)

Puuuuh! Schwääääre Kost!

5 Responses to “KfW-Förderung (Aktualisiert)”

  1. Schöne Zusammenfassung; und schon insofern wertvoll, als dass man sich mal versichern kann, wie andere denn den derzeitigen Förder-Dschungel so verstehen.
    10 von 10 Punkten!

  2. Eugen sagt:

    Moin Moin.

    interessanter Beitrag 🙂 Schnell und sauber erklärt.

    Ich beschäftige mich selbst auch derzeit vermehrt mit der KfW und bin beim google`n so auf Ihren Blog aufmerksam geworden.

    Ich würde gern noch paar Sachen ergänzen:

    Hausbanken – Ich hab vorhin in Foren und Blogs gelesen, dass viele Berichten, dass die Hausbank oft nicht die KfW Förderungen vorschlägt. Des Öfteren Bieten dann die Banken eigene Finanzierungen an, da der Gewinn durch den „festen“ Zinssatz relativ klein im Vergleich zu eigenen Krediten liegt.

    Gelesen z.B. hier http://goo.gl/n8NZ7 (Um hier nicht jmd. Wettbewerbsvorteile zu geben, nutze ich hier mal den Google Linkshorter.) bzw. auch direkt auf N24.de – Kategorie: Wissen

    Ich würde evtl. noch erwähnen, das neben der Hausbanken auch der gang zum unabhängigen Finanzberater eine Option wäre. (Google: KfW-Darlehen -> da finden sich welche) oder neuerdings (seit April) auch direkt Versicherer (wobei ich mir da auch ähnlich Vorgehensweisen wie bei Banken vorstellen kann) =)

    Wie Herr Kowalski gebe ich auch 10 von 10 Punkten. :)))

  3. […] Förderung durch die KfW erscheint auf den ersten Blick schon als Dschungel aus Paragraphen, Programmen und Publikationen, […]

  4. Christoph sagt:

    Wohooo! Vielen Dank für das Lob! War aber auch ein harter Kampf sich da durchzuwühlen.
    Über die Finanzierung habe ich schon mal was geschrieben (http://www.cuvv.de/2012/04/13/finanzierung-die-1/), ich bin da in der Tat ein Anhänger der Meta-Finanzierer.
    Bei Haus- und anderen Banken glaube ich gerne, dass die mal das eigene Wohl betonen und erst dann an den Kunden denken. Gerade in Zeiten einer systemischen Bank- und Finanzkrise wie derzeit.

  5. Christopher sagt:

    Derzeit lohnt es sich einfach nicht mehr. auf http://www.sofortkredite.org/lexikon/effektiver-jahreszins/ sehe ich allerdings eine ganz andere Interpretation.

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