Das Interhyp-Prinzip

Über den Sinn und Unsinn eines Wärmepumpentarifs

By , 15. April 2013 20:45

Wie schon vorher mal beschrieben, bekommen wir in unserem Haus eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Grabenkollektoren als Wärmequelle.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wo die Wärmepumpe ihren Strom herbekommt. Die Fragestellung, eine Photovoltaik-Anlage als Haupt-Stromquelle für die WP zu nutzen will ich gar nicht groß anschneiden (funktioniert nur marginal, da Bedarf und Erzeugung des Stroms nur wenig überlappen). Vielmehr interessiert mich, ob sich einer der Wärmepumpentarife lohnt.

Leider wurden die WP-Tarife in den letzten Jahren stark erhöht. Einzelne Anbieter haben die Preise wohl innerhalb zweier Jahre um 60% angehoben.

Wie auch immer: für mich kann nur zählen, was jetzt auf dem Markt angeboten wird (für die Historie: das ist 2013).

Die Lage sieht so aus: WP-Tarife werden grundsätzlich nur vom örtlichen Energieversorger (ÖEV) angeboten.
Der Grund hierfür sind die Signale für die Steuerung der Rundsteuerempfänger (wegen der Abschaltung der Wärmepumpen), die der ÖEV nur selber erzeugt. Fremde Signale muss er nicht durch sein Netz lassen. Kann ein Stromanbieter aber den RSE nicht erreichen, entfällt die Grundlage für den WP-Tarif. Ergo: WP-Tarif gibt es nur beim ÖEV.

Behelfen könnte man sich mit einem Hybridmodell, indem man den WP-Tarif beim ÖEV bezieht und den restlichen Haushaltsstrom über einen günstigeren Anbieter.

Aber lohnt sich das überhaupt?

Die Antwort gibt es nach dem Klick auf „Weiter lesen“!

Das rhetorische Stilmittel der Suggestivfrage sei mir hier verziehen. 😉

Tja, da heißt es mal wieder die Kreide wetzen und nachrechnen.

Folgende Rahmenparameter gelten für uns:

  • Geschätzter Stromverbrauch für den Haushalt: 3.500 kWh / Jahr
  • Geschätzter Stromverbauch für die Wärmepumpe: 4.500 kWh / Jahr
  • Unser ÖEV ist die Rheinenergie.

Die geben wir zum heutigen Datum folgende Tarifdetails:

  • Tarif: FairRegio Strom plus
  • Grundpreis / Jahr: 75,68€
  • Arbeitspreis / kWh: 26,72 Cent
  • HT/NT ist für uns nicht verfügbar

Der WP-Tarif sieht so aus:

  • Wärmepumpenanlage W2
  • Grundpreis / Jahr: 82,82€
  • Arbeitspreis / kWh: 21,69 Cent
  • Nebenkosten wie einen größeren Zählerschrank o.ä. lasse ich außen vor (das Ergebnis würde dadurch nur noch deutlicher…)

Würde ich meinen gesamten Strom bei der RheinEnergie beziehen, ergäben sich folgende Zahlen:

  • Strom für den Haushalt: 75,68 € + 3.500 * 0,2672 € = 1.010,88 €
  • Strom für die Wärmepumpe: 82,82 € + 4.500 * 0,2169 € = 1.058,87 €
    Der separate Tarif lohnt sich nach 82,82 € / (0,2672 € / kWh – 0,2169 € / kWh) = 1.646,52 kWh Verbrauch. Sparen kann man aufs Jahr gerechnet 4.500 * 0,0503 € / kWh – 82,82 € = 143,53 €
  • In Summe ergeben sich 1.010,88 € + 1.058,87 € = 2.069,75 €

Jetzt ist es aber natürlich so, dass es seeeeehr viele andere Stromanbieter gibt, die ebenfalls Strom anbieten und dafür weniger Geld verlangen als der ÖEV. Finden kann man diese Anbieter über geeignete Vergleichsportale. Ich habe z.B. Verivox bemüht.

Diese Suche ergibt für mich einen Anbieter mit folgenden Parametern:

  • Anbieter: ExtraEnergie
  • Tarif: Extrastrom Natur Pur
  • Grundpreis: 59,76 € / Jahr
  • Arbeitspreis: 22,31 Cent / kWh

Würden wir nun unseren gesamten Strom hier beziehen, sähe die Rechnung so aus:

  • Gesamter Strombedarf, da kein WP-Tarif: 59,76 € + 8.000 * 0,2231 € / kWh = 1.844,56 €

Im Vergleich ist der ÖEV mit Wärmepumpen-Tarif also 2.069,75 € – 1.844,56 € = 225,19 € teurer!

Jetzt gibt es aber noch die (theoretische) Option, den WP-Tarif beim ÖEV zu beziehen und den Haushaltsstrom bei einem anderen Anbieter. Theoretisch, weil a) das wohl nicht jeder ÖEV erlaubt und b) ich mir nicht die Mühe gemacht habe, das zu verifizieren.

Generell gilt: ich könnte durch den WP-Tarif die Differenz der beiden Tarife einsparen, müsste aber die 2. Grundgebühr bezahlen:

  • Sparen kann ich 22,31 Cent / kWh – 21,69 Cent / kWh = 0,62 Cent / kWh
  • Um die Grundgebühr von 82,82 € / Jahr einzusparen, müsste ich 82,82 € / 0,0062 € / kWh = 13.358 kWh Strom verbrauchen! Das sind schlappe 66% mehr als mein gesamter Jahresverbrauch.
  • Die Mehrausgabe betrüge ich 82,82 € – 4.500 * 0,0062 € = 54,92 €

Fazit: ein dedizierter Wärmepumpentarif lohnt sich für uns nicht. Nichtmals, wenn ich den Haushaltsstrom bei einem anderen Unternehmen beziehe.
Beziehe ich den gesamten Strom bei unserem ÖEV, müsste ich mit einer jährlichen Mehrausgabe von ca. 225 € rechnen. Splitte ich die Energieversorger, müsste ich immer noch mit einer Mehrausgabe in Höhe von ca. 54 € pro Jahr rechnen.

Wichtig: dabei habe ich noch gar nicht berücksichtigt, dass ich den Strom unserer geplanten PV-Anlage nichtmals für meine Wärmepumpe verbrauchen könnte, falls ich einen WP-Tarif hätte, da die WP dann ja an einem anderen Zähler hängt!

Und damit ist das Thema „Wärmepumpentarif“ erledigt. 😉

One Response to “Über den Sinn und Unsinn eines Wärmepumpentarifs”

  1. […] 2013 mit 20-30 Cent rechnen. Gute Tarife dürften im Bereich bis 25 Cent / kWh anzutreffen sein. (Nicht lohnenswerte) Wärmepumpentarife liegen ein bisschen niedriger bei ca. 17-19 Cent / kWh, benötigen dann aber […]

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