Das Interhyp-Prinzip

Die Heizung kommt!

By , 28. Juni 2013 22:16

Ende Juni war es soweit und die von uns am meisten disktutierte Komponente hielt Einzug in unser Haus: die Wärmepumpe!

Im Vorfeld haben wir uns ja mehr als genug den Kopf darüber zerbrochen, was wir an Heizung haben wollen. Im Endeffekt haben wir uns für die Erdwärmepumpe entschieden, die jetzt auch eingebaut werden sollte.

Allerdings haben wir auch hier eine extra Schleife gedreht. Wie auch der geneigte Leser, der jetzt erst einmal auf „Weiter lesen“ klicken darf.

 

Dimensionierung der Wärmepumpe

Anders als anscheinend so viele andere Bauherren (unser Bauleiter sprach davon, dass mindestens 98% der Bauherren der Empfehlung blind folgen würden) habe ich die Dimensionierung unseres „Heizungsbauers des geringsten Misstrauens“ nicht ungefragt übernommen sondern mir bis ins Detail erklären lassen.
Es kostet ein wenig Zeit, aber ich kann nur sagen, dass es sich lohnt, den Wärmebedarfsnachweis und die Heizlastberechnung èn Detail nachzuvollziehen. Die Heizung ist schließlich eine der teuersten Komponenten eines Haus und bestimmt maßgeblich über die laufenden kosten in den Folgejahren.

Der Hintergrund meiner Recherche ist, dass eine Wärmepumpe dann optimal und effizient läuft, wenn sie nahe am dafür ausgelegten Wirkungsgrad betrieben wird. Muss sie mehr leisten als sie kann, wird es womöglich kalt im Haus. Muss sie deutlich weniger leisten als sie imstande ist, wird sie eventuell ineffizient und altert schneller als nötig.

Kurzer Exkurs für zwei Begriffe:

  • Die Wärmebedarfsberechnung ist eine Aussage darüber, wie viel das Haus im Schnitt pro Jahr an Heizenergie benötigen wird. Grundlage dieser Aussage sind verschiedene berechnete (Wärmeverlust des Hauses) und historisch-statistische (durchschnittliche Jahrestemperatur) Werte. Das Ergebnis kann für eine Kostenprognose und als Vergleichswert bezüglich der Energieeffizienz des Hauses herangezogen werden.
  • Die Heizlast ist hingegen eine Worst-Case-Abschätzung und berechnet, wie stark eine Heizung am erwartet kältesten Tag bzw. der kältesten Periode des Jahres sein muss, um genau in dieser Zeit trotzdem noch ein warmes Haus und warmes Wasser in ausreichender Menge bereitstellen zu können. Der „erwartet kälteste“ Tag (bei uns in der Region ca. -10°C) ist wie auch oben natürlich eine historisch-statistische Aussage.
    Zu dem berechneten Heizungsbedarf des Hauses muss noch der Warmwasserbedarf addiert werden. Letzteres geschicht über eine Abschätzung der erwarteten Bewohnerzahl (ca. 0,3 kW pro Bewohner). Die Anzahl erwarteter Bewohner wiederum wird nicht vom Bauherren oder Bauherrin abgeleitet, sondern richtet sich nach der Wohnfläche des Hauses. Für unser Haus wurden z.B. vier Bewohner angesetzt, obwohl wir nur zu zweit sind.
    Außerdem müssen auch unbeheizte Räume hinzugezogen werden, denn diese ziehen Wärme aus den beheizten Räumen. Auch dies erfolgt über einen pauschalen Wert relativ zu den unbeheizten Quadratmetern.
    Die Heizlastberechnung ist maßgeblich für die Dimensionierung der Heizung. Denn kann die Heizung den dort berechneten Wert nicht erfüllen, wird es am kältesten Tag bzw. den kältesten Tagen (kann ja auch mal länger dauern) des Jahres nicht mehr ausreichend warm im Haus.
    Andere Einflussfaktoren wie Kaminofen oder Sonneneinstrahlung spielen hier übrigens keine Rolle!

Beim Studium der Heizlastberechnung stieß ich darauf, dass rein von den Werten her für uns auch eine kleinere Wärmepumpe ausreichen könnte. Mit der angebotenen größeren Wärmepumpe würde dann theoretisch die Gefahr drohen, dass die Wärmepumpe „taktet“, d.h. viele, kurze Heizzyklen statt weniger, längerer Zyklen heizt.
Der Nachteil dieses Taktens ist das häufige Anlaufen der WP. Dieses kostet viel Strom, da ein stillstehendes System in Bewegung gesetzt werden muss, was mehr Energie kostet, als ein laufendes System in Bewegung zu halten. Gleichzeitig verursacht das Anlaufen eine höhere mechanische Belastung als der normale Betrieb und senkt so die Lebenserwartung der Wärmepumpe.
Das Takten kann man natürlich in gewissen Grenzen auch noch über die Hyterese und andere Einstellungen in Griff bekommen. Die Optimierung einer WP ist allerdings sicher etwas, was längere Zeit braucht. Ungünstige Betriebsparameter von vornherein zu vermeiden ist also lohnenswert.

Unser Bauleiter und unser Heizungsbauer mussten hier eine Menge an bohrenden Nachfragen aushalten. Letzten Endes hatte ich das an Infos bekommen, was ich oben kurz zusammengefasst habe. Insbesondere die Berücksichtigung des Warmwassers und der unbeheizten Räume wurde noch nachträglich in die Diskussion eingebracht. Deshalb „durfte“ der Heizungsbauer mir dann auch schriftlich versichern, dass die Wärmepumpe korrekt dimensioniert ist und wir keine Probleme bezüglich Energieeffizienz oder Lebensdauer zu befürchten haben. 🙂

Einbau der Wärmepumpe

„Ohne Fleiß kein Preis“ dachte sich wohl unser Bauleiter und gab uns noch eine Aufgabe auf, die wir vor dem Einbau der Wärmepumpe zu erledigen hatten: das Verfliesen des Haustechnikraums.

Huch, stimmt ja. Später kann man das naturgemäß schlecht erledigen. Dafür ist das Teil und insbesondere der 300l-Warmwasserspeicher zu schwer.

Nur blöd, dass wir noch gar keine Fliesen hatten. =:-o
Natürlich hatten wir uns schon einige Muster angeschaut aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Und selber Fliesenlegen können wir auch nicht unbedingt.

Also waren Sonderschichten im Baumarkt angesagt.
Vor Ort konnten wir uns recht schnell für eine Ware entscheiden: anthrazit-farbenes Feinsteinzeug, mit hoher Abriebklass (IV) und hoher Rutschfestigkeit (10). Das Gros der benötigten Menge bestellten wir und liessen es zur späteren Abholung lagern. Zwei Pakete nahmen wir direkt mit, um sie im Hauruckverfahren zu verlegen.

Hier half uns ein Freund aus, der wusste was zu tun ist. Mit ihm verbrachte ich dann jeweils einen halben Samstag- und Sonntag-Nachmittag, um die benötigte Fläche zu fliesen und zu verfugen.

Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Für die Wärmepumpe gefliester Bereich

Für die Wärmepumpe gefliester Bereich

Am Montag sollte dann die Wärmepumpe montiert werden.
Gespannt betrat ich abends unser Haus. Aber ich wurde bitterlich enttäuscht. Keine Wärmepumpe!

Na toll, die Sonderschicht war also umsonst.
Was solls, der Bauleiter gab am nächsten Morgen schnell durch, dass die Wärmepumpe am Dienstag käme.
Hmmm, da soll doch auch der Sicherungskasten montiert werden…
Egal, dann haben es die Handwerker halt ein wenig enger im Haustechnikraum. 😉

Am Tag der Montage sah es im Arbeitszimmer erst mal wieder nach einem großen Puzzle aus:

Wärmepumpenabdeckung

Wärmepumpenabdeckung

Bauteile und Zubehör der Wärmepumpe

Bauteile und Zubehör der Wärmepumpe

Der Blick auf die fast fertig montierte Wärmepumpe zeigte folgendes Bild:

Wärmepumpe ohne Abdeckung

Wärmepumpe ohne Abdeckung

Bei näherer Betrachtung sieht die Maschinerie der Wärmepumpe verdächtig nach Komponenten aus, die man auch aus einem Kühlschrank kennt. Nun gut, genau genommen ist es ja auch nichts anderes. Nur, dass der Kühlschrank die Wärme als Abfallprodukt erzeugt. 😉

Einen Tag später war die Wärmepumpe dann vollständig montiert, verkleidet und betriebsbereit.

Fertig montierte und verkleidete Wärmepumpe

Fertig montierte und verkleidete Wärmepumpe

Und das Bedienungspanel zeigt: sie läuft!

Bedienungspanel der Wärmepumpe

Bedienungspanel der Wärmepumpe

Die wichtigste Aufgabe der kommenden Tage: Estrichaufheiz- und Trocknungsprogramm!

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