Das Interhyp-Prinzip

Das Wärmedämmverbundsystem

By , 31. August 2014 15:00

Wärmedämmverbundsystem – wieder so ein sperriges Wort, mit dem ich vor Beginn unseres Bauvorhabens nichts hätte anfangen können.

Dass es aber für ein Haus von essentieller, wenn nicht sogar von existentieller Bedeutung ist, wird dem angehenden Bauherrenpaar dann doch schnell deutlich.  Zur Not in Form von Architekt, Bauleiter und Co. 😉

Worum es nun bei einem WDVS genau geht und wie wir das bei unserem Haus gelöst haben, darum geht es in dem heutigen Eintrag.

Zum besseren Verständnis lässt sich das Wortungetüm „Wärmedämmverbundsystem“ in zwei Bestandteile aufgliedern: „Wärmedämmung“ und „Verbundsystem“.

Erstes bezeichnet das Ziel, die Wärme dauerhaft in einem Haus und die Kälte draußen zu halten. Oder – im Sommer – andersrum. So weit, so gut.
Ein Verbundsystem wiederum beschreibt, dass für dieses Vorhaben das präzise, aufeinander abgestimmte Zusammenwirken verschiedener Komponenten nötig ist.

Im Endeffekt besteht ein WDVS nicht nur aus einer schnöden Schicht von wärmeisolierenden Dämmplatten sondern ist deutlich komplexer. Zu dem Aufbau aber später mehr.

Wärmedämmung an unserem Haus

Wie könnte es anders sein, unser Haus braucht mal wieder eine Extrawurst.

Diese Extrawurst ist nötig, weil wir bekanntlich auf einem bestehenden Keller neu gebaut haben. Dadurch ergaben sich für uns drei Zonen, die jeweils individuell zu dämmen sind:

  • Neues Haus: dieser Teil ist der einfachste, da bereits werksseitig vorgegeben. Die stommelschen Außenwände weisen von sich aus eine sehr gute Wärmedämmung auf, so dass wir hier nichts selber machen mussten.
  • Bestandskeller im Erdbereich: diesen Teil konnten wir bei der Entkernung des Kellers mit erledigen lassen
  • Bestandskeller oberhalb des Erdreichs: der eigentlich knifflige Teil

Die Dämmung unterhalb des Erdreichs ist vergleichsweise einfach. Sie besteht aus einer feuchtigkeitsisolierenden Schicht, typischerweise einem Bitumendickanstrich, der wärmeisolierenden Schicht, typischerweise erdreichtauglichen Dämmplatten und einer Schutzschicht vor mechanischer Beschädigung, typischerweise einer stabilen Noppenfolie.
Hier muss man beim Konzept höchstens beachten, dass die verwendeten Dämmplatten für den Einbau in Erdreich zugelassen sind, damit sie nicht vermodern. Die Umsetzung sollte natürlich gut kontrolliert werden, da sich Pfusch am Bau an dieser Stelle nur mit großer Verzögerung zeigt, der Schaden dann aber um so größer ist.

Die Besonderheit ergab sich nun aus dem Teil zwischen der Dämmung, der im Erdreich liegt und dem stommelschen Haus oben drauf. Der Teil des Kellers, der aus der Erde heraus ragt, muss natürlich auch gedämmt werden. Dies ist aber erst möglich, wenn das Haus oben drauf steht, da die Maler (WDVS werden von Malerfachbetrieben ausgeführt) dann von unten gegen den Abschluss des Hauses arbeiten können und diesen sauber herstellen können. Andersrum müsste beim Aufstellen des Hauses die Wärmedämmung beachtet und angeschlossen werden. Keine gute Idee.
Die Reihenfolge dieser Schritte ergab für uns dann, dass wir zuerst den Erdbereich gedämmt haben (direkt nach dem Abriss des alten Hauses), dann das neue Haus aufgestellt wurde und erst danach der Bereich dazwischen gedämmt wurde. Heidewitzka.

Die Suche nach einem geeigneten Maler hat dann auch ein wenig gedauert. Ein professionelles WDVS bekommt nicht jeder, der einen Pinsel schwingen kann, so ohne weiteres umgesetzt. Zum Glück haben wir letzten Endes aber einen Betrieb gefunden, der uns sehr gut betreut hat. Der Meister war alleine zwei mal für jeweils 1,5 Stunden bei uns vor Ort, um uns zu beraten und alle Details zu besprechen. So wünscht man sich das!

Die technischen Details wo welche Dämmung in welcher Stärke hergestellt werden muss, erhält man übrigens durch die Wärme- und Energieberechnungen des Statikers oder Energieberaters. Diese geben vor, welche Maßnahmen nötig sind, um das gewünschte Energieniveau (bei uns KfW70) zu erreichen.

Schichten eines Wärmedämmverbundsystems

Das WDVS, das bei uns eingebaut wurde, besteht aus mehreren Schichten, jede mit einem unterschiedlichen Zweck:

  • Unterputz zum Ausgleich von Unebenheiten: unsere Kelleraußenwand war nicht die glatteste. Durch Abriss und Zumauern von Fenster- und Türöffnung ergaben sich einige Unebenheiten, die mit einen Wertrockenmörtel beseitigt wurden.
  • Grundierung: um die verschiedenen Untergründe der Fassade, die mal staubig-körnig, mal glatt-abperlend sind, auszugleichen, ist eine Grundierung nötig, die diese Unterschiede ausgleicht.
  • Dämmplatten: die eigentliche Schicht, die das Haus wärmetechnisch dämmt. Hier ist wichtig, welche Wärmeleitfähigkeit die Platten besitzen (WLG035 ist der Standard) und wie dick die Platten sind. Je nach Ort muss man auch zwischen Sockeldämmplatten und normalen Dämmplatten unterscheiden. =:-o
    Befestigt werden die Dämmplatten auf der Fassade mit Kleber und anschließend noch mit spezillen Dübeln, die in der Wand verankert werden. Die Vorschriften, wie das genau zu geschehen hat, haben es in sich. Hui…
  • Mineralische Armierung mit Gewebe: bisher ist das Haus warm eingepackt. Die Dämmung selber ist aber noch nicht gegen Wetterunbill oder andere Umwelteinflüsse (Katzen und Hunde lieben Hausecken, grrrr) geschützt. Auch ein fallender Ast oder Hagel soll die Dämmung nicht unmittelbar beschädigen können. Dafür wird auf die Dämmplatten noch eine Armierungsschicht aufgetragen, die genau dagegen schützt und auch als Trägerschicht für den späteren Putz dient.
  • Mineralputz: die Außenhaut des Hauses wird von einer Putzschicht gebildet, die hauptsächlich für eine schöne Optik sorgt. Der Putz kann z.B. mit Struktur versehen werden und sorgt für eine gleichmäßige Oberfläche.
  • Fassadenbeschichtung: zu guter Letzt folgt noch ein Anstrich mit der Farbe der Wahl. Dieser Anstrich sieht aber nicht nur gut aus sondern sorgt mit seinen hydrophoben und diffusionsoffenen Fähigkeiten dafür, dass das WDVS vor Wasser geschützt wird und gleichzeitig Feuchtigkeit nach außen dringen kann.

Die Komplexität eines WDVS hätte ich mir vorher so nie träumen lassen. Erstaunlich, was da alles getan und eingebaut werden muss – die verschiedenen Abschlussbänder, Schutzschienen oder Leisten habe ich mal außen vor gelassen.
Preislich erreicht ein gutes WDVS übrigens locker den Bereich edelster Bodenbeläge: 100€ pro Quadratmeter sollte man mindestens kalkulieren. Wer deutlich drunter anbietet, sollte mit Argwohn betrachtet werden. Pfusch an dieser Stelle wird später vielfach so teuer.

Es verwundert dann auch nicht mehr, wenn ein fachmännisches Angebot für ein WDVS 10 Seiten lang wird. Lektüre für einen spannenden Abend. 😀

Bau unseres Wärmedämmverbundsystems

Jetzt ist auch schon Schluss mit der grauen Theorie. Zum Abschluss möchte ich noch einige Bilder von dem Bau unseres WDVS zeigen.

Zm Vergleich: anfangs war der Keller in einem roten Farbton gestrichen und sah in etwa wie auf dem folgenden Bild aus.

Seitenwand vor dem WDVS

Seitenwand vor dem WDVS

An verschiedenen Stellen hatten wir Fensteröffnungen verkleinert bzw. ganz zugemauert und an einer Stelle eine Tür zugemauert.

Zugemauerte Türöffnung und verkleinerte Fensteröffnung

Zugemauerte Türöffnung und verkleinerte Fensteröffnung

Außerdem gab es noch die Herausforderung, dass wir den früheren Balkon überbaut hatten. In diesem Bereich mussten wir mehrere Stahlstützen einbauen, die ebenfalls verkleidet und gedämmt werden wollten.

Zu verkleidende Stahlstützen

Zu verkleidende Stahlstützen

Zunächst galt es also, diese groben Vorarbeiten zu erledigen.

Zugemauerte und verputzte Fensteröffnung

Zugemauerte und verputzte Fensteröffnung

Die Maler erledigten das schnell und routiniert.

Verputzte Tür- und Fensteröffnung

Verputzte Tür- und Fensteröffnung

Dann wurden auch schon wahre Berge an Material herangeschafft. Klar, die Dämmplatten sind nicht schwer aber sehr voluminös.

Materiallager unter dem früheren Balkon

Materiallager unter dem früheren Balkon

Flugs ging es dann auch schon mit dem Anbringen der Dämmung los. So eine glatte, unterbrechungsfreie Seitenwand ist da ein dankbarer Anfang. Man schafft viel Fläche in kurzer Zeit.

Seitenwand mit Dämmung

Seitenwand mit Dämmung

Auf dem Bild sind übrigens die unterschiedlichen Dämmplatten zu erkennen. In unifarben-weiß die Sockelplatten und schwarz-weiß gemustert die „normalen“ Dämmplatten. Hauptunterschied: die Sockelplatten sind wesentlich härter und stabiler.

Der Bereich rund um die Stahlträger und auch um die Fenster erforderte dann schon kleinteiligeres Arbeiten.

Verkleidung der Stahlstützen

Verkleidung der Stahlstützen

Auch das war bald geschafft und die zweite Seitenwand ging dann wieder flott von der Hand.

Dämmung der zweiten Seitenwand

Dämmung der zweiten Seitenwand

Sehr wichtig ist natürlich nicht nur die Dämmung der senkrechten Wandflächen sondern auch die Dämmung eventueller Vorsprünge. Der von uns überbaute frühere Balkon muss auch von unten gedämmt werden, da sonst eine sehr große Wärmebrücke entstehen würde. Die Folge wären kalte Füße im darüber liegenden Raum und Feuchtigkeitsprobleme durch Kondensation bis hin zu Schimmelbildung.

Dämmung zur Verhinderung von Wärmebrücken

Dämmung zur Verhinderung von Wärmebrücken

Durch die Dämmung entstand ein doch recht großer Koffer um die Stahlstützen und die Decke herum.

Fertige Dämmung im Kellergeschoss

Fertige Dämmung im Kellergeschoss

In den Verarbeitungsanweisungen für die Dämmplatten wird auch genau spezifiziert, wie die Dämmplatten ausgerichtet werden müssen. Entstehende Lücken müssen mit Dichtmasse bzw. Kompri-Bändern lückenlos ausgefüllt werden. Das folgende Bild zeigt eine solche Naht – vermeiden lassen sie sich nie vollständig.

Dämmung - künstlerisch wertvoll

Dämmung – künstlerisch wertvoll

Nach dem Ankleben der Dämmplatten mussten diese noch festgedübelt werden. Ein Dübel, der es nicht ins WDVS geschafft hat, zeigt die Länge und Konstruktion dieser Bauteile.

Dübel zur Befestigung der Dämmung

Dübel zur Befestigung der Dämmung

Jeder Dübel wird dann in die Platten gesetzt, bevorzugt an der Nahtstelle zweier Platten.

Eingesetzter Dübel

Eingesetzter Dübel

Um auch hier keine Wärmebrücken entstehen zu lassen, werden die Dübelköpfe anschließend noch mit Dämmpfropfen verschlossen.

Festgedübelte Dämmung mit Dübelabdeckung

Festgedübelte Dämmung mit Dübelabdeckung

Nachdem die Dämmung solchermaßen gut befestigt ist, geht es wieder an die Feinarbeiten. Jede Kante wird mit einer Eckschutzschiene versehen. Diese Kantenschützer haben außerdem einen Gewebe-Ansatz, der sich mit der späteren Gewebearmierung verbinden lässt.

Einbau der Eckschutzschienen mit Gewebeansatz

Einbau der Eckschutzschienen mit Gewebeansatz

In der Nahaufnahme sieht man gut alle Schichten: Dämmplatten, Gewebe und Mineralarmierung.

Nahaufnahme des WDVS

Nahaufnahme des WDVS

Die Seitenwand mit fertiger Armierung sieht dann schon fast fertig aus.

Seitenwand mit fertiger Gewebearmierung

Seitenwand mit fertiger Gewebearmierung

Nocht fehlt aber die vorerst letzte Schicht: der Putz.

Fertiger Putz

Fertiger Putz

Wir haben uns für einen schlichten Putz ohne Struktur oder anderen Firlefanz entschieden.

Das fertige Wärmedämmverbundsystem sieht dann so aus.

Haus mit fertigem WDVS

Haus mit fertigem WDVS

Was jetzt nur noch fehlt, ist der finale Anstrich. Der kann erst dann angebracht werden, wenn die Außenanlagen fertig sind. Diese Arbeiten sind voraussichtlich mit so viel Dreck verbunden, dass man erst danach streicht. Sonst muss man es zwei mal tun. 😉

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