Das Interhyp-Prinzip

Tripp, trapp, die Trepp‘ ist da

By , 24. November 2014 20:42

Was wird täglich mit Füßen getreten, beschwert sich aber nie?

Was hat zwei Wangen aber keinen Mund?

Was trägt eine Verkleidung, ist aber kein Schauspieler?

Na, schon erraten? Natürlich, es handelt sich um eine Treppe!

Unverzichtbar in jedem Haus, tritt man ihre Stufen täglich mit Füßen. Geht vorbei an den Wangen, an denen sie aufgehangen ist. Und streicht vielleicht mit der Hand über die Verkleidung zwischen den Stockwerken.

Alles in allem ist eine Treppe – so unverzichtbar sie auch sein mag – doch eines der Dinge, über die sich angehende Bauherren zunächst einmal kaum Gedanken machen werden. Zu alltäglich sind sie und zu selbstverständlich werden sie genutzt.
Dabei sind die Entscheidungen, die es bei der Treppenplanung zu treffen gilt, mannigfaltig: welche Materialien sollen Verwendung finden, wie gewendelt soll sie sein, mit Stellstufe oder ohne, gesattelt oder nicht, platzsparend oder raumgreifend? Züchtig im eigenen (Treppen-)Haus versteckt oder offen-fordernd in den Lebensraum integriert?

Antworten zu all dem und mehr gibts nach dem Klick auf „Weiterlesen“.

Planung und Vorbereitung

Die Positionierung Treppe stand zu Beginn unserer Planung im Zentrum der Überlegungen, denn das entscheidet offensichtlich mit darüber, wo und wie die Räume des Hauses angeordnet werden können. Eine grundlegende Entscheidung trafen wir sehr früh: wir wollten keine Treppe, die offen im Wohnzimmer eingebaut wird. Dieses Konzept, das in vielen modernen Entwürfen zu sehen ist, gefiel uns beiden nicht. Als Folge war damit klar, dass wir in unserem Grundriss den entsprechenden Platz benötigen und freihalten müssen.

Nach dieser Festlegung sahen wir uns einige Entwürfe an, die eine asymmetrische (nicht in der Mitte des Hauses) Treppenpositionierung enthielten. Das Problem bei all diesen Entwürfen war aber die ungünstige Raumverteilung, die zwangsläufig zu langen Fluren führt, die die Räume mit der Treppe verbinden. Dadurch verliert man viel Wohnraum an die benötigten Verkehrsflächen.
Ebenfalls schnell strichen wie die Idee von der Liste, Eingangsbereich und Treppe voneinander zu trennen, da es ebenfalls zu unnötig viel Verkehrsraum im Haus führt.
Die zentrumsnahe Platzierung der Treppe ist einfach am praktischsten!

Ein weiterers Aspekt in unserer persönlichen Planung war außerdem, dass unser Bestandskeller bereits ein Treppenloch aufwies, wo vorher die alte Treppe gestanden hatte.
Letztere hatten wir entfernen lassen, da sie so überhaupt nicht unseren Vorstellungen entsprach. Die alte Treppe war aus Beton gegossen, sehr eng und schmal und viel zu steil. Sie war sogar so steil, dass wir vermutlich Probleme beim Bauantrag bekommen hätten, da heutzutage ein 1:1-Verhältnis von Auftrittsfläche zu Stufenhöhe nicht mehr als verkehrssicher angesehen wird.
Aber zurück zu dem Treppenloch: hätten wir das Treppenhaus verlegen wollen, hätten wir somit das eine Treppenloch verschließen müssen und an anderer Stelle eines neu einbauen müssen. Das ist technisch machbar, führt aber natürlich zu einigem Mehraufwand, der nicht zu einem äquivalenten Nutzen geführt hätte.

Infolgedessen haben wir die Treppen dann dort gelassen, wo sie vorher auch war: neben dem Eingang und mittig im Haus, gut von allen Räumen zu erreichen.

Sobald wir geklärt hatten, wo die Treppe verlaufen soll und bevor wir uns an die Konfiguration der Treppe geben konnten, mussten wir allerdings noch eine andere Hürde nehmen. Bedingt durch den steilen Abgang war die alte Treppe sehr kurz. Die prinzipiell Lösung für das Problem der zu steilen Treppe ist vordergründig eine Verlängerung der Treppe und damit eine Vergrößerung des vorhandenen Treppenlochs.
Allerdings war auch das Loch für die alte Treppe recht kurz und das wiederum führt bei einer neuen, längeren Treppe dazu, dass die Durchgangshöhe zwischen Treppe und Kellerdecke nicht ausreicht, da die Kellerdecke bereits anfinge, wenn man noch auf der 2. oder 3. Stufe stünde. Nicht gut, wenn man auf unversehrte Kopfhaut steht. 😉
Beide Verlängerungen, die der Treppe und die des Treppenloches, haben jedoch Grenzen. Im Keller und im Erdgeschoss verlaufen an gleicher Stelle Zimmerwände, die orthogonal zur Treppe verlaufen. Zwischen Fußende der Treppe im Keller sowie zwischen Ende des Treppenlochs im Erdgeschoss und der jeweiligen Zimmerwand muss ausreichend Platz bleiben, um bequem gehen zu können.
Dies kann man wiederum „umgehen“ (höhö ;-)), indem man die Treppe mit einer Vierteldrehung wendelt und so ein paar Stufen gewinnt, die um die Ecke laufen. Der untere Teil der Treppe wird dadurch kürzer und es bleibt mehr Platz für den Durchgang in Keller und Erdgeschoss.
Der obere Teil der Treppe oberhalb der Wendelung wiederum kann nicht beliebig lang werden, weil im Erdgeschoss zwischen einer weiteren Zimmerwand und der obersten Treppenstufe noch die Platz für die Haustür Platz sein muss.

So ergibt sich ein lustiges Rätsel, das an Mathematikaufgaben aus der Schule erinnert. 🙂

„Wie muss die Treppe t platziert werden und wie viele Stufen muss sie haben, so dass der Abstand x zwischen letzter Treppenstufe im Keller und Kellerwand a mindestens 1m beträgt, der Abstand y zwischen oberster Treppenstufe und gegenüberliegender Wand b für die Haustür im Erdgeschoss ausreichend Platz lässt und die geringste Durchgangshöhe zwischen einer Treppenstufe und der Kellerdecke mindestens 2m beträgt.
Berücksichtigen Sie dabei, dass alle Aufmaße für die Planung Rohbaumaße sind und beim Einbau der Treppe der Höhenverlust durch den neuen Fußboden 18cm beträgt.“

Wer das im Kopf lösen kann, möchte sich bitte bei mir melden. Ich hätte da einen Jobvorschlag. 😉

In der Realität haben uns diese Fragen über mehrere Wochen begleitet, denn so klar wie die endgültige Lösung aussieht, ist die Entscheidungsfindung bei weitem nicht. Herzlichen Dank an dieser Stelle auch an unseren Bauleiter, der uns hier viel mit Rat und Tat unterstützt hat und ein weiteres Mal vor Ort den Zollstock hat wirbeln lassen. Sehr bequem hat es, wer die Treppe über Stommel Haus bestellt, denn solchermaßen gesegnete Bauherren müssen sich keine Sorgen machen, ob die Treppe nachher auch wirklich passt. 🙂
Gemeinsam haben wir das Problem schlussendlich lösen können und auf Basis dieser Lösung dann auch unserem Tiefbauer den Auftrag gegeben, wie genau er die Treppenöffnung vergrößern soll.

Konfiguration der Treppe

Die restliche Geschichte der Treppenkonfiguration ist schnell erzählt, da uns die entsprechenden Entscheidungen nicht schwer fielen.

Auch unausgesprochen war uns von Anfang an klar: eine Holztreppe soll es sein. Wen wunderts? 😉
Passend zu den Innentüren haben wir uns als Material für Kernbuche entschieden. Im Gegensatz zu der normalen Buche hat man bei der Kernbuche noch verschiedenfarbige Holzmaserungen, die ein interessantes Holzbild ergeben. Als Ergänzung dazu haben wir als leichten Kontrast im Geländer schlichte Füllstäbe aus Edelstahl gewählt.

Grundsätzlich sollte unsere Treppe so breit sein, dass man zur Not auch einen Treppenlift einbauen kann. Und ja doch, wir sind noch jung und brauchen das noch nicht. An den Eltern sieht man aber wie schnell man sowas doch braucht. Und dann ist jeder Zentimeter Platz Gold wert…
Als Breite legten wir deshalb 1m fest.

Da der Rest des Hauses in der Formensprache schlicht gehalten ist, haben wir das bei der Treppe fortgesetzt, also keine verzierte Pfosten, besonders geformete Handläufe oder sonstige Verschnörkelungen gewählt.

Weiter ging es mit der Frage nach Podest oder Wendelung. Persönlich hätte ich ja gerne eine Podestreppe gehabt aber der zur Verfügung stehende Platz hat das leider nicht zugelassen. Nun ja, man kann eben nicht alles haben. 😉

Zu guter Letzt blieb noch die Frage der Stellstufen. Da wir die Lichtausbeute im Kellergeschoss maximieren wollten, haben wir uns für eine offene Treppe ohne Stellstufen entschieden.

A propos Lichausbeute: kurzzeitig haben wir uns auch überlegt, ob wir beleuchtete Treppenstufen haben wollen. Nach einem Blick auf den Aufpreis haben wir uns aber recht schnell dagegen entschieden. Der Nutzen stand für uns in keinem gesunden Verhältnis zum Preis.

Bau der Treppe

Pünktlich – oder wie der neudeutsche Logistiker sagen würde: „just in time“ – trafen am Tag vor dem Einzug die Treppenbauer ein.

Als Laie hatte ich (mal wieder) eine völlig falsche Vorstellung davon, wie lange so ein Treppeneinbau dauert und wie kompliziert das alles ist. Ganz naiv hatte ich damit gerechnet, dass in 2-3 Stunden alles vorbei ist aber wie hatte ich mich da getäuscht. Stattdessen haben drei Handwerker fast sechs Stunden an der Treppe gearbeitet. Und auch die Treppe selber erinnerte mich an ein besonders fieses 500-Teile-Puzzle.

Aber fangen wir vorne an, so wie das unbetreppte Loch in der Geschossdecke aussieht.

Bevor alles beginnt: unser Treppenhaus als Leiterhaus

Bevor alles beginnt: unser Treppenhaus als Leiterhaus

Ich kann euch sagen: nach ein paar Wochen ist man es gründlich leid, ständig über die Leiter klettern zu müssen, um in den Keller zu kommen. Und wenn ein Termin im Haus so knapp ist, dass man sich vorher nicht umziehen konnte, wird das Leiternklettern in der Anzugshose doppelt spannend (sowohl für die Nähte als auch für mich :-D). Zum Glück ist mir während der Bauphase kein kleidungstechnisches Malheur unterlaufen. 😉

Die Treppe in Einzelteilen 1

Die Treppe in Einzelteilen 1

Die Treppe kam in Einzelteilen, jedes für sich fein säuberlich verpackt. Im Bild sind rechts übrigens die Türen für die Kellerräume zu sehen.

Die Treppe in Einzelteilen 2

Die Treppe in Einzelteilen 2

Und weil auch noch das ein oder andere Bauteil vor Ort an die Gegebenheiten angepasst werden muss, haben die Treppenbauer erstmal eine kleine Werkstatt eingerichtet.
Man beachte, die Türen sind verschwunden, denn es handelte sich um den „Tag des schon ziemlich verrückten Wahnsinns„.

Die Treppe in Einzelteilen 3

Die Treppe in Einzelteilen 3

Im Keller fanden sich noch mehr Puzzleteile, u.a. einer der beiden Wangen.

Wir haben einen Plan!

Wir haben einen Plan!

Hui, „Treppenplaner“ ist ein vollwertiger Beruf wie mir scheint.

Treppenstufen - welche kommt wo hin?

Treppenstufen – welche kommt wo hin?

Tja, so einfach ist das nicht. Jeder der gewendelten Treppenstufen muss exakt an dem für sie vorgesehenen Platz eingebaut werden, sonst funktioniert es nicht.

Die grauen „Flecken“ sind übrigens Trittschutzmatten, die die Treppenbauer direkt nach dem Auspacken befestigt haben. Sogar solche aus einer dünnen Faserplatte und nicht nur welche aus Papier. Kam uns für den Umzug am tag danach mehr als gelegen. 🙂

Die ersten Stufen sitzen an ihrem Platz
Die ersten Stufen sitzen an ihrem Platz

 

Den unteren Teil der Treppe haben die Handwerker vor der Montage an der Wand zusammengesetzt.

Es führt eine Treppe nach Nirgendwo

Es führt eine Treppe nach Nirgendwo

Auch wenn es nur die halbe Treppe war, scheint sie schon ausreichend schwer gewesen zu sein. Jedenfalls dem ganzen Geächze nach zu urteilen. 😀

Was nicht passt, wird passend gemacht

Was nicht passt, wird passend gemacht

Beim Übergang zum Erdgeschoss war noch ein bisschen Fensterrahmen im Weg, also schnell weg damit.

Und ab um die Ecke

Und ab um die Ecke

Die Wendelung wurde dann Stufe für Stufe eingebaut, zusammen mit dem Eckpfosten.

Fast fertig: es fehlt nur noch das Geländer

Fast fertig: es fehlt nur noch das Geländer

Die fast fertige, schon benutzbare Treppe sah dann wie oben aus. Es fehlen noch das Geländer und die Geschosswechselverkleidung.

Die fertige Treppe in der Ansicht von unten

Die fertige Treppe in der Ansicht von unten

Nun ja, das „fertig“ bezieht sich auch nur auf die Treppe. Denn was noch fehlt ist die Verkleidung der Kellerdecke, im Bild links oben zu sehen.

Die fertige Treppe im Erdgeschoss

Die fertige Treppe im Erdgeschoss

Aber jetzt ist die Treppe fertig, es fehlen nur noch Kleinigkeiten. Am rechten Rand des Bildes erkennt man ein Stück der oben angesprochenden Verkleidung.
Im Hintergrund wird an der Wand der Übergang von Erdgeschoss zum Keller noch durch eine Blende aus Kernbuche kaschiert werden. Und das herabhängende Kabel lässt erkennen, dass auch noch die Leuchten montiert werden müssen.

Blick ins Treppenhaus mit Wandleuchten

Blick ins Treppenhaus mit Wandleuchten

Ein Jahr später sieht die Szenerie deshalb auch ganz anders aus. 😀

Zum Abschluss, quasi als Dessert dieses Artikel noch zwei Detailaufnahmen der Treppe.

Nicht-lineare Steigung des Handlaufs

Nicht-lineare Steigung des Handlaufs

Da steigt eine Treppe mit gleichmäßigen Schrittmaß auf, dreht sich um 90° und die Wunder der Mathematik führen zu einem wunderbar anzusehenden, nicht-linearen, ja fast exponentiell steil nach oben steigendem Handlauf. Schön!
Wie komplex der Holztreppenbau geraten kann, hat auch schon so manchen Autoren beschäftigt, wie Abteilung der Bücher für Holztreppen auf Amazon beweist.

Geschnittene, nicht gebogene Handläufe

Geschnittene, nicht gebogene Handläufe

Ein zweites Detail, das mir aufgefallen ist, betrifft die Herstellung des Handlaufs. Prinzipiell kann man Holz ja auch in eine passende Form biegen. Die Leimungskanten der einzelnen Stücke, aus denen der Handlauf gefertigt ist, und deren nicht-paralleler Verlauf zu den Außenkanten des Handlaufs zeigen jedoch, dass der Handlauf aus einem größeren Stück gesägt und geschliffen wurde und nicht etwas in Form gebogen wurde.
Das ist qualitativ sicher kein Nachteil aber nur ein Fertigungsdetail am Rande. 😉

In diesem Sinne hoffen wir auf viele weitere Tage, an denen wir unsere Treppe mit Füßen treten dürfen. 🙂

2 Responses to “Tripp, trapp, die Trepp‘ ist da”

  1. Nadja sagt:

    Moin, Vera & Christoph! Ich suche Fliesen in Holzoptik, das zu einer Buchetreppe passt und verzweifle etwas… Daher eine Frage.. Wie ich sehe, habt ihr eine Buche Treppe und ihr habt auch Fliesen gefunden,das dazu passt. Wie heissen eure Fliesen ( Farbe und so ) & vielleicht könnt ihr mir auch verraten, wo ihr das her habt.
    Danke v.G. Nadja

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