Das Interhyp-Prinzip

Schornsteinfegers Traum

By , 26. Januar 2013 17:10

Huch, jetzt gibt es doch noch einen eigenen Artikel zum Thema „Schornstein“. Und das, obwohl ich hier doch versprochen hatte, keinen meiner Leser einzuschläfern. 🙂

Aber wie es sich herausstellt, ist das Thema „Schornstein“ doch komplexer, als es auf den ersten Blick scheint, denn es gibt eine Abhängigkeit zur Position des Kamins.

Der Kamin muss so platziert werden, dass brennbares Material mindestens 1m von jeder Glasscheibe des Kamins entfernt ist.
Bei uns ist das wichtig, weil der Kamin seitlich neben einer Tür platziert werden soll, die einen Holzrahmen hat. Und da möchte man doch wissen, wie nah der Kamin an die Tür rutschen kann, ohne dass der Schornsteinfeger böse wird.
Wichtig ist hier der Begriff „direkte Strahlung“. Nach hinten z.B. verhindert eine spezielle Schicht aus Dämmsteinen, dass die stommel’sche Innenwand ankokelt.
Nach vorne haben wir zum Glück keine Probleme, da wir keinen Fußboden aus Holz oder anderen brennbaren Materialien haben.

Wie berechne ich nun den Mindestabstand des Kamins zur Tür?

Variante 1: Methode „Pi mal Daumen“

Zwischen Kaminscheibe und Tür steht der Schornstein mit 48cm. Lasse ich mindestens 52cm Platz zwischen Schornstein und Tür habe ich mindestens 1m Abstand zwischen Kamin und Tür. Damit wäre dem Feuerschutz genüge getan.

Variante 2: Methode „Dreiecksberechnung“

In Variante 1 würde der Kamin mit der Glasscheibe ja direkt an der Wand stehen, was natürlich Unfug ist. Steht er aber weiter im Raum, vergrößert sich auch der Abstand zur Tür. Das könnte man ja ausnutzen, um ihn etwas näher an die Tür zu stellen.
Hmm, aber wie weit?
Im Vorteil ist, wer in der Schule in Geometrie aufgepasst hat. 🙂
Setzen wir voraus, dass die Kaminscheibe erst bei 48cm anfängt (wir wollen das Glas ja nicht verstecken), erhalten wir durch die Tiefe des Schornsteins (48cm), den Mindestabstand von Scheibe zu Tür (100cm) und den Winkel zwischen Schornstein und Wand (90°) ein Dreieck.
Mit diesen drei Angaben (Kathete, Hypothenuse und Winkel) lässt sich die fehlende Länge (2. Kathete) berechnen.

Wer noch weiß, dass im rechtwinkligen Dreick a^2+b^2 = c^2 gilt, kann nach b auflösen: b = (c^2-a^2)^1/2.
Und damit erhalten wir: b = 87,73 [cm]. (und das ganz ohne Sinus oder Cosinus)

Man kann aber auch hier die Daten eingeben und den Rechner seinem Namen gerecht werden lassen.

Damit muss der Schornstein also mindestens 87,73 – 48 = 39,73cm, sprich 40cm von der Tür entfernt sein.

Variante 3: Methode „Zeichnerische Darstellung“

Die beiden Varianten 1 und 2 lassen eins außer Acht: dadurch, dass der Schornstein direkt neben dem Kamin steht, gibt es teilweise keinen geraden Strahlengang von einer Kaminscheibe zu der Holztür!

Dadurch könnte sich der Mindestabstand nochmals verringern. Diese Darstellung will ich dann aber nicht berechnen sondern zeichnen. Da sieht man viel schöner, was Sache ist.

Also greife ich mir flugs mal wieder mein Lieblingszeichenprogramm: CorelDraw.
(Ich empfehle Version „X4“, die es schon für vergleichsweise kleines Geld gibt und mehr als genug Features bietet.)

Hier kann man sehr schön exakte Werte eingeben und Objekte aneinander ausrichten.

Das Bild unten zeigt das Ergebnis meiner Bemühungen.

Neben dem Kamin habe ich fünf Vektoren eingezeichnet, die für die mögliche direkte Abstrahlung der Kaminscheibe stehen. Diese haben 0°, 10°, 20°, 30° und 33.7°.
0° ist offensichtlich der minimale Winkel und nur der Vollständigkeit halber eingezeichnet.
33.7° ist wiederum der maximale Winkel, bei dem überhaupt noch Strahlung an dem Schornstein vorbei geht! Alle größen Abstrahl-Winkel werden von dem Schornstein absorbiert.
Die Länge der gezeichneten Vektoren beträgt jeweils 1m. Damit erkennt man eine Sache sehr schön: egal, wo der Kamin steht, die Scheiben sind immer mindestens 1m von der Holztür entfernt, weil der Schornstein einen Teil der Strahlung abfängt! Die minimale Entfernung eines direkten Strahlungsvektors beträgt gemessene 162cm, also mehr als genug.

Schematische Darstellung der Kamin- und Schornsteinpositionierung

Fazit

Wir können den Kamin so nah an die Tür stellen, wie wir wollen.
Tun wir aber natürlich nicht, weil dann das Raumbild gequetscht wirken kann und man bei Betreten des Raums nicht so nah neben einem (heißen) Kamin stehen möchte.

Wir haben uns aus raumästethischen und Raumaufteilungs-Gründen letzten Endes für einen Abstand des Schornsteins zur Tür von 50cm entschieden.

OK, dafür hätte auch Variante 1 gereicht. Aber zum einen hätte ich dann nicht so schön mit einigen mathematischen Formeln spielen können und zum anderen habe ich dadurch jetzt auch eine hübsche Zeichnung. 😉

One Response to “Schornsteinfegers Traum”

  1. Sebastian sagt:

    Geil 🙂 Alle Fragen beantwortet. Ich schraube mal den Kamin an! Vielen Dank.

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