Das Interhyp-Prinzip

Es werde Licht: Über Lux, Lumen und Leistung

By , 1. Juni 2013 20:46

Gibt es etwas einfacheres, als einen Raum zu betreten, einen Schalter zu betätigen und den Raum in strahlendem Licht erstrahlen zu lassen? – Vermutlich nicht!

Andererseits aber doch: wie stellt man sicher, dass es genau so hell ist, wie man es möchte? Und nicht schummrig wie in einer Höhle oder blendend hell wie in einem Labor?

Bei uns kommt erschwerend hinzu, dass wir sehr hohe Räume haben, dir wir indirekt anstrahlen wollen. Eine sorgfältige Planung tut deshalb Not! Ich habe aus diesen Gründen und weil ich schlicht neugierig bin 😀 versucht, diese Punkte eingehender zu betrachten und bin dabei auf eine Vielzahl von Lichteinheiten, Formeln und Zusammenhängen gestoßen.

Wie so häufig macht man sich keine Vorstellung davon, wie kompliziert einfache Dinge werden, wenn man versucht, sie zu verstehen und zu hinterfragen. 😉

Einen hervorragenden Einstieg in die Materie findet man übrigens in einer online verfügbaren Broschüre des „oberösterreichischen Energieparverband“. Und nein, diesen Namen habe ich mir nicht ausgedacht, die gibt es wirklich. 😀

Weil es überaus lang und kompliziert wird, hier der Klick auf „Weiter lesen“ (nur für Hardcore-Fans empfohlen! ;-)).

Die Begriffe Lux, Lumen und Leistung

Im Zusammenhang mit Beleuchtung sind fünf Kenngrößen für eine Bewertung relevant. Diese und die jeweils verwendeten Einheiten erläutere ich im Folgenden kurz. Besondere Berücksichtigung werden im Rest des Artikels aber hauptsächlich die Beleuchtungsstärke, der Lichtstrom und die Leistung finden, denn es geht mir in einem ersten Schritt hauptsächlich darum, die Theorie zu verstehen und Grundlagen für das Beleuchtungskonzept zu schaffen. Ästhetische Aspekte sind natürlich genauso wichtig, lassen sich aber schlecht in Worte fassen. Damit ist die inhaltliche Ausrichtung festgelegt und es kann losgehen.

Leistung

Mit Leistung bezeichne ich, wie viel elektrische Leistung eine Lichtquelle verbraucht, um Licht abzustrahlen. Solange es ausschließlich Glühbirnen gab, konnte man diesen Wert gleichzeitig für den Vergleich der Lichtausbeute oder Strahlkraft einer Glühbirne verwenden. Heutzutage ist dies eigentlich nicht mehr möglich. Weil es sich aber so eingebürgert hat und man die Leistungsangaben der Glühbirnen verinnerlicht hat, findet man immer wieder Hinweise wie „strahlt so hell wie eine 60-Watt-Birne“.

Die Einheit für die Leistung ist Watt (W)

Lichtstrom

Laut Wikipedia ist der Lichtstrom ein „Maß für die gesamte von einer Strahlungsquelle ausgesandte sichtbare Strahlung“. Anders ausgedrückt wird also beschrieben, wieviel Helligkeit eine Lampe von sich gibt.
Wichtig ist der Punkt sichtbar, weil er darauf hindeutet, dass die menschliche Wahrnehmung in die Bestimmung mit einfließt. Eine rote Lichtquelle strahlt nur ein Zehntel des Lichtstroms aus, den eine gelbgrüne Lichtquelle gleicher Leistung abstrahlt. Dies liegt an der unterschiedlichen Empfindlichkeit des menschlichen Auges in Bezug auf die unterschiedlichen Wellenlängen des Lichts.

Für meine Zwecke reicht es aus, Lumen als grundlegende Einheit zu verwenden und nicht weiter aufzugliedern. Theoretisch wird es nämlich als Integral über das ausgestrahlte Spektrum des für Menschen sichtbaren Lichts definiert.

Die Einheit für den Lichtstrom ist Lumen (lm).

Beleuchtungsstärke

Die Beleuchtungsstärke ist der „Quotient der Lichtstärke einer punktförmigen Lichtquelle in Candela und dem Quadrat der Entfernung in m“. Umganssprachlich formuliert gibt dies an, wieviel Licht auf eine bestimmte Fläche fällt und damit, wie hell es an einem bestimmten Ort ist.

Dieser Wert ist maßgeblich und wichtig dafür, was man an einem Ort tun kann oder will. Das Lesen eines Buches erfordert z.B. mehr Helligkeit als das Betrachten eines Films.

Die Einheit für die Beleuchtungsstärke ist Lux (lx).

Farbtemperatur und Farbtreue

Die Farbtemperatur bzw. Lichtfarbe ist der Eindruck, wie das menschliche Auge Licht eines bestimmten Spektrumbereiches wahrnimmt. Im Gegensatz zu anderen technische Einheiten, die auf Naturkonstanten begründet sind, basiert dieser Wert auf den Farbrezeptoren im menschlichen Auge. Als weitere Besonderheit verknüpft der Mensch mit verschiedenen Temperaturen unterschiedliche Situationen. Gelbliches Licht wird häufig als „warm“ und „gemütlich“ empfunden, während weißes oder blaues Licht als „grell“ oder „kalt“ empfunden wird.

Die Einheit für die Licht- bzw. Farbtemperatur ist Kelvin (K).

Die Farbtreue oder, präziser formuliert, der Farbwiedergabeindex bezeichnet die Genauigkeit, mit der ein Leuchtmittel die angegebene Farbtemperatur erreicht. Eine nennenswerte Anwendung findet diese Maßzahl z.B. in Druckereien, wo es in der Druckvorstufe darum geht, Farben exakt, normiert und wiederholbar zu überprüfen. Im privaten Wohnungsbau sehe ich eine Anwendung nicht oder nur in vernachlässigbarem Maßstab.
Ein interessanter Aspekt ist allerdings sicherlich, dass sich Qualitätsprodukte von Billigheimern typischerweise in dem Farbwiedergabeindex unterscheiden. Billige Leuchtmittel erreichen ihr angepriesene Helligkeit mitunter durch eine starke Überbetonung der grünen Spektrumbereichs, was sich in hohen Lumen-Zahlen niederschlägt aber auch zu verfälschten Farben führt.

Abstrahlwinkel

Der Abstrahlwinkel ist der Bereich um eine Lichtquelle, in der mindestens die Hälfte der maximalen Lichtstärke erreicht wird. Dadurch ist er ein Maß, wie stark das emittierte Licht gebündelt wird. Wichtig ist das aus meiner Sicht hauptsächlich für Akzentbeleuchtung und Spots, wo es auf einen engen Winkel der Strahlung ankommt.

Die Einheit für den Abstrahlwinkel ist Grad.

Zusammenhänge

Es hat sich bei der Beschreibung der Begriffe schon angedeutet, dass diese miteinander zusammenhängen und teilweise ineinander umgerechnet werden können.

Hier einige wichtige Zusammenhänge.

Lichtstrom und Beleuchtungsstärke

Der Lichtstrom ist eine absolute Größe, die Beleuchtungsstärke hingegen eine relative. Beide hängen über eine Formel voneinander ab: 1\text{lx} = 1\frac{\text{lm} }{m^2}
Die durchschnittliche Beleuchtungsstärke eines Raums erhalte ich also, indem ich die gesamte verfügbare Lichtmenge summiere und durch die gesamte Fläche des Raums teile (für alle Haarspalter: ich gehe hier natürlich von einer einzelnen Lichtquelle aus, die die gesamte Lichtmenge in Richtung Fußboden abstrahlt. In der Realität sieht das natürlich anders aus. ;-)).
Angenommen ich habe einen Raum mit 20m^2 und einer Lichtquelle, die insgesamt 2.000 lm abstrahlt. Die Lichtstärke für diesen Raum beträgt dann im Mittel \frac{2.000\text{lm}}{20m^2}=100\text{lx}.

Unterschiedliche Darstellung der Beleuchtungsstärke

Je nach Quelle findet man unterschiedliche Formeln für die Berechnung der Lichtstärke:

  • Variante 1: \text{lx}=\frac{\text{cd}\text{sr}}{r^2}
    cd ist die Lichtstärke einer Lichtquelle und sr die Raumwinkeleinheit des damit bestrahlten Raumes. Die Formel gibt an, wie viel Helligkeit / Licht in einem Abstand von r Raumeinheiten (z.B. Meter) noch ankommt, wenn die Lichtquelle gleichmäßig in alle Richtungen abstrahlt.
  • Variante 2: \text{lx}=\frac{\text{lm}}{m^2}
    Hier wird hingegen betrachtet, wieviel Licht auf eine bestimmte Fläche trifft.

Es sieht zunächst nicht so aus, aber diese beiden Darstellungen sind letzten Endes identisch!
Die Herleitung ist einfach. 😉

  • sr ist in Einheiten definiert als \small\frac{m^2}{r^2} (bestrahlte Fläche geteilt durch die Entfernung)
  • cd ist in Einheiten definiert als \small\frac{\text{lm}}{\text{sr}} bzw. aufgelöst nach lm ergibt sich \small\text{lm}=\text{cd}*\text{sr}

Diese Definition von lm setze ich nun in Variante 2 ein und erhalte \small\text{lx}=\frac{\text{cd}*\text{sr}}{m^2}. Unter Nutzung der Definition von sr erhalte ich \small\text{lx}=\frac{\text{cd}*\frac{m^2}{r^2}}{m^2}.
Diesen Doppelbruch löse ich auf und bekomme \small\text{lx}=\frac{\text{cd}*m^2}{r^2*m^2} und das ergibt nach Kürzen von \small m^2 schließlich das Ergebnis \small\text{lx}=\frac{\text{cd}}{r^2}.

Viel Spaß übrigens bei dem Versuch diese Einheiten in einem Laden ineinander umzurechnen. 😛

Nuff said! 😀

Helligkeit verschiedener Leuchtmittel

Neben der Glühbirne gibt es mittlerweile noch viele weitere, unterschiedliche Leuchtmittel. Als Wichtigste seien hier Halogenbirnen, Energiesparlampen oder LED genannt. Die Frage, die sich stellt, ist: welches dieser Leuchtmittel ist heller? Und so einfach diese Frage gestellt ist, so einfach ist sie auch beantwortet (und so unsinnig ist sie auch… :-D). Denn eine Lampe ist heller, wenn sie mehr Licht ausstrahlt, also mehr Lumen emittiert. Und da gibt es mit allen Leuchtmitteln Möglichkeiten, viel oder wenig Licht abzustrahlen.
Was man aber eigentlich meint, ist etwas anderes: wie viel Lumen strahlt ein Leuchtmittel pro verbrauchter Leistung ab? Gefragt ist nicht Lumen oder Watt sondern deren Quotient \frac{\text{lm}}{\text{W}}, sprich der Wirkungsgrad bzw. spezifischer die Lichtausbeute! Das bedeutet letzten Endes, dass man bei vorgegebener Helligkeit weniger Strom verbraucht und damit weniger Kosten hat.
Und da gibt es natürlich signifikante Unterschiede (eine umfangreiche Liste ist hier zu finden):

  • Eine Glühlampe emittiert ca. \small10-15\frac{\text{lm}}{\text{W}}.
  • Eine Energiesparlampe schafft hingegen \small40-60\frac{\text{lm}}{\text{W}}
  • LEDs übertreffen das sogar noch mit \small80-100\frac{\text{lm}}{\text{W}}

Mit LED-Leuchtmitteln benötigt man also nur 1% der Leistung einer Glühbirne, um den gleichen Lichtstrom zu erhalten. Die Lichttemperatur dieser Lichtquellen ist allerdings eine Geschichte, die auf einem anderen Blatt geschrieben steht… 😛

Die absolut gesehen stärkste Lichtquelle, die ich in einfachen Ladengeschäften gefunden habe, war übrigens eine 450-Watt-Halogen-Leuchte, die satte 9.000 Lumen abstrahlt!

Maßgaben für ein Lichtkonzept

Richtwerte

Bisher war dieser Artikel ja reichlich theoretisch. Es wird also höchste Zeit, ein wenig Fleisch an die Knochen zu bekommen und zu begründen, warum ich den ganzen Aufwand treibe.

Ziel ist es letzten Endes, dass in unserem Haus jeder Raum ausreichend Lichtquellen hat, so dass es hell genug wird aber auch nicht zu hell. Dankenswerterweise haben sich schon viele kluge Menschen Gedanken darüber gemacht, wie hell ein Raum im optimalen Fall sein muss und diese Werte in Form von Richtwerten veröffentlicht.
Anhand dieser Werte sollte es möglich sein abzuschätzen, wie viel Licht wir wo brauchen. Grundlage für eine Abschätzung ist der Lichtbedarf für verschiedene Raumtypen (z.B. hier zu finden). Für Arbeitsplätze gibt es sogar verbindliche Normen. Die referenzierten Tabellen sind leider recht unpräzise und geben nur Spannweiten an:

  • Sehaufgabe „Orientierung“: 10 – 50 Lux
    Räume: Flur / Diele EG, Flur / Diele KG, Treppenhaus
  • Sehaufgabe „leicht“: 50 – 300 Lux
    Räume: Wohnzimmer, Esszimmer, Schlafzimmer, Badezimmer, Gästezimmer, Arbeitszimmer, Nutzräume
  • Sehaufgabe „normal“: 300 – 1.000 Lux
    Räume: Küche, vereinzelte Bereiche mit besonderen Anforderungen (Badezimmerspiegel, Werkbank o.ä.)
  • Sehaufgabe „schwierig“: 1.000 Lux
    Räume: keine. Wenn benötigt, werde ich das über mobile Lösungen bewerkstelligen

Mit diesen Werten habe ich vorerst zwei Probleme:

  1. Ich habe keine Ahnung, wie sich 10, 20 oder 50 Lux anfühlen, sprich wie man einen entsprechend hellen Raum intuitiv bewertet.
  2. Die referenzierten Spannweiten umfassen ein Mehrfaches des angegebenen Minimums. Plane ich damit irgendwie eine Beleuchtungslösung, muss ich unter Umständen doch Lampen nachkaufen oder abbauen, weil es lichttechnisch nicht passt.

Abhilfe kann ich aber trotzdem schaffen und zwar, indem ich nachmesse, wie hell es momentan in unserer Wohnung ist. Hier weiss ich, wie hell oder dunkel sich ein Raum anfühlt und kann durch verschiedene Messwerte ein Gefühl für die Einheit Lux bekommen. Darüber hinaus kann ich die Erfahrungswerte auf unser Haus übertragen und die oben genannten Spannweiten einschränken.

Ist-Werte

Die Bestimmung der Ist-Werte in unserer Wohnung benötigt natürlich ein passendes Messgerät. Diese Teile werden Lichtmessgerät (ach…) oder auch Luxmeter (hat nichts mit Wildkatzen zu tun…) genannt. Erhältlich sind sie natürlich als sündhaft teure, geeichte und normierte Hochleistungsgeräte für mehr als 1.000 €. Es gibt aber auch deutlich preiswerte Geräte, die für meine Zwecke vollkommen ausreichend sind.

Bestellt habe ich mir letztlich den iClever Luxmeter. Vernünftige Leistung, leichte Handhabung und mit 25 € (im Mai 2013) fair bepreist. Von diesem Gerät gibt es auch noch einen großen Bruder für 40€, der ein paar Features mehr hat.

Die Messungen sollte man natürlich erst vornehmen, wenn es draußen bereits dunkel ist. Der Grund ist die enorme Helligkeit von Tageslicht! Selbst in der Abenddämmerung hat es draußen noch locker 2.000 – 3.000 Lux. Und helles Tageslicht erreicht  mal eben 100.000 Lux und mehr. Das macht es keinen Sinn innen 10 – 50 Lux messen zu wollen.

Erster Lerneffekt während der Messung: die Werte schwanken enorm! Abhängig von Entfernung zur Lichtquelle, Höhe der Messgerätsonde oder Lage im Raum variieren die Messwerte um mehrere 100%. Bevor man nur Mist misst, sollte man sich überlegen, wie man vorgeht.
Ich habe versucht, die Messsonde immer in der gleichen Höhe (Sitzhöhe) zu halten, sie parallel zum Erdboden auszurichten und in einem Zimmer immer mehrere Messpunkte anzusteuern, die nicht direkt neben oder unter einer Lichtquelle liegen.

Mit dieser Methode bekam ich dann folgende gemittelte und gerundete Werte:

  • Wohnzimmer, sehr schwache Beleuchtung: < 5 Lux
  • Wohnzimmer, schwache Beleuchtung: teilweise <10 Lux in der Fläche, 50 Lux im Umkreis der Lichtquelle (Deckenfluter)
  • Wohnzimmer, mittlere Beleuchtung: 30 – 40 Lux in der Fläche, 70 Lux in der Nähe der Lichtquelle (Deckenfluter)
  • Wohnzimmer, stärkste Beleuchtung: 50 Lux in der Fläche, 100 Lux in der Nähe der Lichtquelle (Deckenfluter)
  • Badezimmer, schwache Beleuchtung: 60 – 80 Lux in der Fläche (eine Lichtquelle)
  • Badezimmer, starke Beleuchtung: 250 Lux in Nähe der beiden Lichtquellen, > 100 Lux in der Fläche
  • Badezimmer, Rasierspiegel: 500 Lux in unmittelbarer Nähe der Lichtquelle über dem Spiegel
  • Treppenhaus: 20 – 30 Lux
  • Küche: 140 Lux in der Fläche
  • Schlafzimmer: 40 Lux in der Fläche

Das ist doch schon mal etwas!

Überraschend fand ich übrigens mit wie wenig Lux man eigentlich auskommt. Im Wohnzimmer sind flächige 50 Lux schon durchaus hell, beim Fernsehen haben wir es typischerweise ein wenig dunkler. 150 oder gar 250 Lux sind dann schon richtig helle Räume, die es gar nicht überall braucht. Ich hätte nicht erwartet, dass man mit so wenig auskommt…

Ziel-Werte

Aus den Richtwerten und den ermittelten Messwerten kann ich für jedes Zimmer Luxwerte ermitteln, die eine Richtschnur für die Planung der Lichtquellen ergeben.

Die oben aufgeführten Raumtypen bzw. Sehaufgaben konkretisiere ich für uns mit folgenden Werten:

  • Sehaufgabe „Orientierung“: 30 Lux
    Räume: Flur / Diele EG, Flur / Diele KG, Treppenhaus
  • Sehaufgabe „leicht“: 50 – 150 Lux
    Räume: Wohnzimmer, Esszimmer, Schlafzimmer, Badezimmer, Gästezimmer, Arbeitszimmer, Nutzräume
    150 Lux in einem Wohnzimmer erscheinen mir sogar ein wenig viel zu sein. Ggf. beschränken wir uns im Wohnzimmer auf geringere Werte in der Nähe von 100 Lux. Im Essbereich können wir über eine geeignete Esstischlampe auch leicht höhere Lux-Werte erreichen, die dann auf diesen Bereich beschränkt sind.
  • Sehaufgabe „normal“: 250 Lux
    Räume: Küche, vereinzelte Bereiche mit leicht höheren Anforderungen (Badezimmerspiegel, Werkbank o.ä.)
  • Sehaufgabe „schwierig“: 1.000 Lux
    Räume: keine.

Wichtig: es geht nicht darum, die Beleuchtung im Haus auf das Lux genau zu planen und zu realisieren sondern darum, einen Anhaltspunkt zu bekommen, vom dem aus man weiter planen (und einkaufen) kann.

Verteilung und Gestaltung

Ein Beleuchtungskonzept berücksichtigt natürlich mehr als nur die reine Helligkeit und Lichtstärke.

Vielmehr geht es darum, auch die Gestaltung der Lichtquellen dem Raumzweck anzupassen. In einer Küche wird man viel direkte Strahlung für hohe Kontraste wünschen, im Wohnzimmer hingegen eher indirekte Beleuchtung für warme Farben und eine gemütliche Atmosspähre.

Insgesamt gilt es, eine ausgewogene Mischung aus flächiger Beleuchtung und einzelnen Akzenten zu finden, der einen Raum zum Leben erweckt.

Diesen Punkt werden wir aber nicht vorab planen sondern teilweise erst angehen, wenn wir im Haus sind und uns von den Räumen und dem Angebot in Lichtläden inspirieren lassen. Lasst euch von dem Ergebnis überraschen. 🙂

Leuchtmittelarten und Lichttemperatur

In aller Kürze: die unterschiedlichen Leuchtmittel unterscheiden sich in drei wesentlichen Punkten:

  • Energieverbrauch
  • Leuchtstärke
  • Farbtemperatur des abgegebenen Lichts

Punkt 1 und 2 sind aus technischer Sicht relevant, wenn es um die Auswahl eines geeigneten Leuchtmittels geht.

Die Farbtemperatur besitzt jedoch eine stark psychologisch gefärbte Komponente, da der menschliche Organismus seit Jahrtausenden daran gewöhnt ist, unterschiedliche Lebenssituationen mit dem ihn umgebenden Licht zu verknüpfen. Deshalb wirkt das grelle Licht einer LED anregend wie ein heller, sonnenreicher Tag und das warme Licht einer Glühbirne heimelig wie ein Lagerfeuer in der heimischen Höhle.

Das bedeutet aber auch, dass man nicht jedes Leuchtmittel in jeder Situation verwenden kann. Gerade LEDs strahlen häufig mit einem sehr kalten Licht von mehr als 5.000 Kelvin.Wärme und Gemütlichkeit empfindet man aber typischerweise im Bereich um 3.000 Kelvin oder darunter. Dann ist aber die Energieeffizienz geringer.

Nur gut, dass es mittlerweile für alles eine Lösung gibt. Die Kelvinbereiche notiere ich mental für den nächsten Besuch im Lampenstudio.

Ausarbeitung und Berechnung für unser Haus

Jetzt ist es an der Zeit, die bis hierher gesammelten Zahlen anzuwenden und auf die einzelnen Räume anzuwenden. Denn noch fehlt ein Detail für die Beleuchtungsplanung: die Umrechnung der relativen Lichtstärke auf den insgesamt benötigten, absoluten Lichtstrom.

Erst wenn ich weiß, wie hoch der pro Raum benötigte Lichtstrom ist, kann ich halbwegs abschätzen, wie starke Lichtquellen ich benötige und ob die geplante Anzahl und Verteilung ausreicht.

Die Ergebnisse dieser Berechnung habe ich in unten stehender Tabelle zusammengefasst.

Aufstellung aller Räume mit Zuordnung zur Lux-Kategorie und des benötigten Lichtstroms

RaumFläche [qm]Helligkeit [Lux]Benötigter Lichtstrom [Lumen]Anzahl Lichtquellen im Raum
Flur / Diele EG12,7303814 (verteilte Wandleuchten
Badezimmer 111,8150 - 2501.770 - 2.9507 - 8 (Seilsystem)
Badezimmer 23,6150 - 250540 - 9001 (Wandleuchte)
Küche15,22503.8001 (Unterschrank-Spots ausgenommen)
Essbereich16,61502.4903 (Wandleuchten + Esstischlampe
Wohnzimmer42,6 1004.2605 (Wandleuchten, Stehlampen ausgenommen)
Schlafzimmer17,350 - 100865 - 1.7306 (Seilsystem + Nachttischleuchten)
Flur / Diele KG20,6306183 (verteilte Deckenleuchten)
Gästezimmer15,950 - 100795 - 1.5903 (Seilsystem oder Rondell)
Arbeitszimmer44,4100 - 1504.440 - 6.6605 - 6 (verteilte Deckenleuchten, Schreibtischlampen ausgenommen)
Abstellraum9,91009901 (Deckenleuchte)
Waschküche6,91006901 (Deckenleuchte)
Haustechnikraum18,52504.6251 (Deckenleuchte)

Hier noch eine kurze Erläuterung der Inhalte:

  • Fläche: klar, die Grundfläche eines Raums
  • Lux: die vorgesehene Helligkeit des Raums, basierend auf den oben ausgeführten Betrachtungen. Bei Angabe eines Intervalls meine ich, dass der Raum entweder über dimmbare Leuchtmittel verfügt oder die Lampen in unterschiedlichen Gruppen eingeschaltet werden können.
  • Benötigter Lichtstrom: das Produkt aus Fläche und Lux. Gibt damit an, wie hoch der absolute Lichtstrom im Raum mindestens sein muss, um die angestrebte Helligkeit zu erzielen. Ist damit die Summe des Lichtstroms aller in einem Raum enthaltener Lichtquellen.
  • Anzahl Lichtquellen: eine Angabe, um planen zu können, wie hell die einzelnen Lampen sein müssen. Nach Möglichkeit habe ich jede Lichtquelle einzeln gezählt. Bei einem Seilsystem also jeden Spot.

Alle Lichtquellen, die als Akzentbeleuchtung dienen, berücksichtige ich hier übrigens nicht. Schon allein deshalb, weil ein Akzentlicht naturgemäß nicht hell genug ist, um nennenswert zur Helligkeit im Raum beizutragen.

Damit ist fürs erste genug gesagt (war ja auch lang genug). Die große Herausforderung ist natürlich, diese Planungen und Vorstellungen in die Praxis umzusetzen. Mit diesem Wissen und diesen Grundlagen kann ich aber den Kampf gegen die Dunkelheit aufnehmen! 😀

8 Responses to “Es werde Licht: Über Lux, Lumen und Leistung”

  1. Plaudy sagt:

    Hi,
    da ich mich aus anderem Grund auch gerade mit den verschiedenen (energieeffizienten) Möglichkeiten des Licht“machens“ beschäftige:
    Es gibt mittlerweile auch zahlreiche LEDs, die (auch) in Glühlampenform in Farbtemperaturen von 2500-3000 K strahlen Gute Erfahrungen habe ich mit einem Markenhersteller gemacht Phil… Auch wenn sie in der Anschaffung erst teuer sind, rechnen sie sich schnell. Ein Vergleich der Systeme gibt es auch recht aktuell bei der Stiftung Warentest zum Download.

    Gruß
    Plaudy

  2. Bei der Planung von unterschiedlichsten Lichtquellen in einem Haus sollte man äußerste Sorgfalt an den Tag legen, sonst ärgert man sich später um fehlende Leitungen.

  3. Muldental sagt:

    Vielen Dank für den sehr lehrreichen Beitrag. Da sieht man wie wichtig eine besonders sorgfältige Planung ist.

  4. Gast sagt:

    Sehr hilfreicher Eintrag. Danke. 🙂

  5. Wolfgang sagt:

    Zitat: „Mit LED-Leuchtmitteln benötigt man also nur 1% der Leistung einer Glühbirne, um den gleichen Lichtstrom zu erhalten.“

    Ach, wär‘ das schön – aber selbst Ihre eigene Lumen/Watt-Aufstellung direkt darüber gibt das nicht her. Tatsächlich sind es aktuell typischerweise 15 bis 20% – in einigen Fällen etwas mehr, bei manchen LED-Modellen auch etwas weniger. Siehe dazu auch:
    http://fastvoice.net/2013/01/28/wie-effizient-ist-led-beleuchtung/

  6. […] einmal habe ich versucht, mich ganz ingenieursmäßig an die Lösung der Problematik heranzutasten. Das Ergebnis war dann ein Zahlengerüst, das mir […]

  7. Beeindruckt sagt:

    Unglaublich …. Vielen Dank.
    Kannst Du mir nun noch sagen, welche Leuchte Du für die Küche gefunden hast, die Deinen Berechnungen entspricht!

    Herzliche Grüße aus Tirol

  8. So was habe ich doch gesucht!! Danke für die vielen Informationen zu dem Thema. Seite ist bereits gebookmarkt 🙂

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